29.09.2022

Erfahrungen von Mechthild Lotz und Peter Göb

Kirchliche Organisationsberatung im Bistum Fulda

In Pfarreien, die sich auf den Weg der Neugründung machen, sind sie dabei – Mitarbeiter der Kirchlichen Organisationsberatung. Zwei von ihnen sind Mechthild Lotz und Peter Göb. Von Hans-Joachim Stoehr


Ungeschminkte Wirklichkeit: Kirchliche Organisationsberatung eröffnet Chancen, die Realitäten zu verbessern.


Gemeindereferentin Mechthild Lotz (Marburg, St. Johannes) und Pfarrer Peter Göb (Homberg/Efze) sind die beiden Sprecher des Teams der Kirchlichen Organisationsberatung im Bistum Fulda. Lotz zählt zu den Pionierinnen dieses kirchlichen Arbeitsfelds. 2006 war sie eine von sechs Gemeindereferentinnen beziehungsweise Priestern, die den Ausbildungskurs zur Gemeindeberaterin abgeschlossen hat.
Inzwischen ist aus der Gemeindeberatung die Organisationsberatung geworden. „Wir haben gemerkt, dass der Begriff Gemeindeberatung zu sehr eng führt auf Kirchengemeinden, obwohl wir von Anfang an auch pastorale Dienstgruppen oder Kindergärten beraten haben“, erinnert sich die 58-Jährige. Für Pfarrer Göb geht es bei der Beratung auf dem Weg zur Neugründung neben rechtlichen Aspekten vor allem um pastorale Konzepte. Also um die Frage „Wie können wir uns weiter entwickeln?“

Die Chancen werden unterschiedlich erkannt

Pfarrer Göb hat bereits 13 Kirchengemeinden auf dem Weg zur Neugründung begleitet. Dabei hat er zum einen die Ängste miterlebt, etwa die Frage, was aus dem eigenen Kirchort in einem größeren Verbund wird. „Aber es gab auch die Lust auf das Neue, auf die Chancen, die sich eröffnen durch die Veränderung“, so der 56-jährige Priester.
Bei den „Chancen“ beobachtet Mechthild Lotz, dass in Verbänden und ihren Gruppen die Chancen von größeren Verbünden/Pfarreien eher wahrgenommen werden als in Kirchengemeinden.
Methodisch geht es bei der Beratung laut der Gemeindereferentin vor allem darum, die jeweiligen Gruppen zu befähigen, eigene Lösungen zu finden. „Mitglieder einer Gemeinde sollen entdecken, was in ihnen steckt, was gut für sie ist“, erklärt sie. Es gehe also nicht darum, fertige Lösungen zu präsentieren. Zumal etwas, das in Kassel funktioniert, anderswo nicht einfach übernommen werden könne.
In der Beratung kommt es laut Lotz immer wieder zu „Aha-Erlebnissen“. Etwa, wenn die zwei Berater sich in einem Dialog über ihre Beobachtungen austauschen – und die Gruppe dabei zuhört. Dazu gehört die Beobachtung, dass von zehn Leuten nur fünf gesprochen haben und der Rest geschwiegen hat. Lotz: „Das hatte die Gruppe gar nicht so wahrgenommen. Wir haben den Leuten gleichsam den Spiegel vorgehalten.“
Ab und an stoßen die Berater auf Gemeindemitglieder, die „beratungsresistent“ bleiben. Da steht am Ende des Gesprächs der Satz: „Wir machen es trotzdem so wie bisher.“ Das sei ernüchternd, aber auch Teil der Beratungsrealität. Denn, so Lotz: „Ein Mittel, das wir nicht anwenden, ist Druck. Das hätte dann ja nichts mehr mit Beratung zu tun.“

Informationen: Bischöfliches Generalvikariat, Telefon 0661 / 87 - 461

Von Hans-Joachim Stoehr

 

ZUR SACHE

Ausbaufähig
Ursprünglich waren im Team der Gemeindeberatung nur Pfarrer und Gemeindereferentinnen. Das hat sich geweitet. Auch Sozialpädagogen und Mitarbeiter aus Beratungsstellen sind jetzt mit dabei. Das könnte laut Mechthild Lotz ausgebaut werden – in der Teamgröße, aber auch in der Vielfalt der kirchlichen Berufe. Voraussetzung für eine Mitarbeit ist eine Zusatzausbildung in diesem Arbeitsfeld. (st)