12.09.2019

Die katholische Kirche fordert mehr Engagement fürs Klima

"Klimaschutz geht alle an"

Am 20. September ist globaler Klimastreiktag. Weltweit gehen Menschen auf die Straße, um für eine entschlossenere Klimaschutzpolitik zu demonstrieren. Mehr Engagement fürs Klima fordert auch die katholische Kirche. Sie betont: Gott hat uns den Auftrag gegeben, die Schöpfung zu bewahren. 

Foto: kna/Cristian Gennari/Romano Siciliani
Eine Botschaft, die aufrütteln soll: Ein Plakat bei einer "Fridays for Future"-Demonstration
in Rom. Foto: kna/Cristian Gennari/Romano Siciliani

Rolf Lohmann ist Umweltbischof der katholischen Kirche in Deutschland, der 20. September ist für ihn deshalb ein besonderer Tag. „Es wurde genug geredet und es gibt auch genug Studien, die auf die Gefahren hinweisen, die uns durch die Erderwärmung drohen“, sagt er. „Nun braucht es entschlossenes Handeln.“ Lohmann freut sich, dass die Aktivisten der „Fridays for Future“-Bewegung seit Monaten öffentlich auf die Klimakrise hinweisen – und für den 20. September zum globalen Klimastreiktag aufgerufen haben. Die Lage sei „sehr, sehr ernst“, betont er: „Wir haben nicht mehr viel Zeit, einem gefährlichen Klimawandel Einhalt zu gebieten.“

Gerade aus christlicher Sicht sei es geboten, die Erderhitzung entschlossen zu bekämpfen, sagt der Umweltbischof. Schließlich glauben wir daran, dass Gott die Welt geschaffen und uns anvertraut hat: „Daraus erwächst uns der klare Auftrag, die Schöpfung zu bewahren.“ Die Bekämpfung der Klimakrise sei auch ein Gebot der Gerechtigkeit, so Lohmann: „Für uns Christen haben alle Menschen weltweit und auch künftige Generationen dieselbe Würde vor Gott.“ Viele dieser Menschen werden in der aktuellen Debatte nicht gehört: die Armen in Afrika oder Asien genauso wenig wie die jungen und die noch ungeborenen Kinder – also all jene, die unter den Folgen der Krise am heftigsten zu leiden haben. Die Kirche und die Christen sollten für sie mitkämpfen. 

Bereits im April hat die Deutsche Bischofskonferenz die Bedeutung des Klimaschutzes in einem Thesenpapier herausgestellt. „Es ist klar, dass Klimaschutz alle angeht“, sagt Lohmann jetzt. „Es reicht nicht, mit dem Finger auf den anderen zu zeigen. Ohne Anstrengungen und konkrete Änderungen wird es uns nicht gelingen, unsere Wirtschafts- und Lebensweise klimaneutral zu gestalten. Jeder Einzelne ist gefragt, sein Handeln zu hinterfragen.“ Ob in Mobilität, Ernährung oder Konsum – was dem Klima schadet, ist bekannt. Damit die Menschen ihr Verhalten ändern, brauche es „auch die richtigen politischen Rahmenbedingungen – in Deutschland und weltweit“, sagt Lohmann. Die Politik stehe vor einer gewaltigen Aufgabe, sie brauche die Unterstützung der Bevölkerung.

Umweltbischof: „Wir können und wollen viel bewegen“

Der Handlungsdruck ist hoch, aber wenn jetzt radikal gehandelt wird, dann lässt sich die Klimakatastrophe noch verhindern – darin sind sich die Forscher einig. Aus christlicher Sicht ist Hoffnung in der Krise wichtig. Umweltbischof Lohmann sagt: „Ich warne vor Fatalismus und übertriebener Schwarzmalerei. Dies führt erfahrungsgemäß zu Extrempositionen, die Lösungen eher blockieren als ermöglichen.“ Eine Lösung aber wird ja gerade dringend gebraucht. Und die Kirche will dabei helfen. „Wir können und wollen viel bewegen“, sagt Lohmann. 

Kraftvoll engagieren kann sich die katholische Kirche schon deshalb, weil sie eine globale Gemeinschaft ist. Bischöfe aus aller Welt fordern die Politik jetzt zum Handeln auf. „Der Planet Erde schreit“, sagt Dom Wilmar Santin, Bischof in Brasilien. Romulo Valles, Erzbischof auf den Philippinen, betont: „Es ist Zeit zu handeln – heute, nicht morgen.“ 

Von Andreas Lesch