07.12.2021

Fuldas erster Krippenweg

Krippen tragen eine Botschaft

Vom Frauenberg bis ins Vonderau Museum führt Fuldas erster Krippenweg. Es war ein Franziskaner vom Klosterberg, der 1930 die Fuldaer Krippenfreunde gründete: Dr. Ewald Müller. Bis heute pflegt der Verein die „Herbergssuche“.


Verkündigungsszene in edler barocker Umgebung: Der Engel Gabriel besucht Maria und erzählt von dem Kind, das sie erwartet.


Im Museum sollte bereits im vergangenen Jahr das 90-jährige Vereinsjubiläum mit einer Ausstellung begangen werden: Glanzstück wäre eine große Krippe im Barockstil gewesen. Die Pandemie kam dazwischen und hält weiter an. Aber unter dem Motto „90 plus 1“ gibt es nun 25 Krippen-Stationen durch die Innenstadt. Die barocke Großkrippe kann in der Kapelle des Vonderau Museums besucht werden.

Bis zum 9. Januar sind die Krippen zu sehen

„Der Krippenweg findet bis zum 9. Januar 2022 statt und ist täglich bis 21.30 Uhr beleuchtet“, sagt Jochen Happel, erster Vorsitzender der Krippenfreunde. „Flyer mit den Stationen liegen in der Touristinformation, in den teilnehmenden Geschäften und an den Stationen aus.“ Als Höhepunkt benennt er das Museum: „Die Großkrippe des Bildhauers Norbert Tuffek aus Wendelstein bei Nürnberg fasziniert mit annähernd 300 Figuren in 55 Zentimetern Größe, alle aufwendig bekleidet.“

 Jochen Happel ist Vorsitzender
der Fuldaer Krippenfreunde.

Die Hauptszene rund um Christi Geburt in der Museumskapelle hat rund 150 Figuren. Elf andere Bilder am Ausstellungsort drehen sich um weitere biblische Erzählungen: von der Verkündigung des Ereignisses an Maria bis zur Hochzeit in Kanaa, wo der erwachsene Jesus als Gast Wasser in Wein verwandelt. „An dieser Krippe arbeite ich seit 1998 kontinuierlich“, hält Norbert Tuffek fest. „Es handelt sich um handgeschnitzte bekleidete Gliederfiguren. Viele sind als Porträtfiguren gestaltet. Bei den heiligen Personen und den Königen mit ihrem Gefolge ist die Kleidung an barocken Vorbildern orientiert.“ Vertreter des Volks tragen meist mittelfränkische Tracht. Seit 1994 hat Tuffek seine Holzbildhauerwerkstatt in Wendelstein, seit 1997 ist er Holzbildhauermeister und seit dieser Zeit stellt er seine Werke auch aus. Der Bildhauer achtet sehr auf die Details: „Um die bekleideten Krippenfiguren, Jesuskinder oder Prozessionsmadonnen stilgerecht mit Metall-Klöppelspitzen ausstatten zu können, erlernte ich verschiedene Klöppeltechniken.“
Zur Geschichte der Krippenfreunde: Am dritten Adventssonntag 1929 kamen die Krippenliebhaber aus der Region auf Anregung von Franziskanerpater Ewald Müller erstmals zusammen. Er war auf Lehrer und Kleriker zugegangen, um den Verkündigungsaspekt des Krippenbaus auch in Schulen und Pfarreien zu tragen. Daraus erwuchs dann 1930 die Arbeitsgemeinschaft der Fuldaer Krippenfreunde. Erst 2009 wurde ein eingetragener Verein ins Leben gerufen.

Herbergssuche wird in Kästen dargestellt

Die Krippenfreunde pflegen bis heute die alte Tradition der Herbergssuche. Das Lukasevangelium erwähnt die Notlage von Maria und Josef in Betlehem, die keine Unterkunft fanden. Ausgerechnet dann kündigt sich der Erstgeborene an.
„Aus dem Geist des Glaubens heraus werden am ersten Advent Schreine, in denen die Herbergs-suche figürlich dargestellt ist, ausgesendet“, sagt Jochen Happel. Bisher haben die Mitglieder des Krippenvereins 15 solcher Kästen entstehen lassen. „Unser Bemühen ist es, möglichst viele Menschen am Heilsgeschehen teilhaben zu lassen“, erklärt der Vorsitzende. Bei der Herbergssuche 2021 sind 58 Familien, Kitas oder Standorte mit dabei.

Von Evelyn Schwab