08.03.2019

Kleines ABC der Kirchenentwicklung

„Also beteiligt euch auch groß!“

Was ist wesentlich für die Kirche 2030? Es wäre gut, wenigstens einige Begriffe des „Pastoralsprech“ zu verstehen. Heute geht es in unserem „kleinen ABC der Kirchenentwicklung“ um die maximale „Beteiligung“ aller Getauften. Von Johannes Becher.

„Ihr seid an etwas Großem beteiligt. Also beteiligt euch auch groß!“ Ein Appell, mit dem der langjährige Leipziger Thomaskantor Georg Christoph Biller seine Chorknaben motivierte.

Logo zur Serie | Foto/Montage: AdobeStock / Sibylle Tietze
Logo zur Serie | Foto/Montage: AdobeStock / Sibylle Tietze

Ihr seid an etwas Großem beteiligt: Das gilt genauso für alle Getauften in der Nachfolge Jesu. Also beteiligt euch groß! – Gerne, aber wie?! So mag vielerorts die Gegenfrage lauten. Denn aufgewachsen sind die meisten der heute in der Kirche ehrenamtlich Aktiven in einer Dienstleistungskirche mit Vollversorgungsservice. Und der dazu passenden Mentalität: Pfarrer und Hauptamtliche haben die Macht. Das passte so – obgleich ja viele Zeitgenossen in Berufs- und Familienwelt längst anders unterwegs sein dürfen – und müssen: paritätisch beteiligt an Lasten und Entscheidungen. Nur die Kirche blieb ein Hort überkommener Ordnung: Das hat doch der Herr Pfarrer zu regeln.

In der französischen Diözese Poitiers – einer der Keimzellen künftigen Kircheseins – stellte man genau das schon früh in Frage: „Wie können wir behaupten, dass uns die Taufe zu Christen macht und uns im Glauben mündig werden lässt und dabei nur allzu oft gleichzeitig akzeptieren, dass Kirche der Ort ist, wo die Getauften unmündig bleiben? In ihrem Berufsleben, im Vereins- oder Verbandsleben, im Familienleben sind sie Experten auf ihren Gebieten. In der Kirche jedoch haben sie oft nur wenig Gelegenheit, wirksam mitzureden, ihre Ansichten haben oft nur wenig Auswirkung für die Zukunft ihrer Gemeinden.“

In einer „Kirche der Beteiligung“ sollen alle „aufstehen, aufeinander zugehen, voneinander lernen, miteinander umzugehen …“ | Foto: AdobeStock
In einer „Kirche der Beteiligung“ sollen alle „aufstehen,
aufeinander zugehen, voneinander lernen, miteinander
umzugehen …“ | Foto: AdobeStock

Dabei hatte doch schon das Zweite Vatikanische Konzil in den 1960er Jahren ein anderes Kirchenbild beworben: Ausgehend vom gemeinsamen Priestertum aller Getauften waren die Signale gestellt hin zu einer „Kirche der Beteiligung“.

Im Bild des Konzils haben jeder und jede die gleiche Würde, und alle haben eine Sendung, auch wenn sie verschiedene Aufgaben wahrnehmen. In einer „Kirchenentwicklung“ geht es jetzt darum, die Volk-Gottes-Theologie des Konzils ernst zu nehmen.
Folgerichtig schreibt Dr. Chris-tian Hennecke, einer der „Erfinder“ der „lokalen Kirchenentwicklung“ in Deutschland: „Kirche ist und lebt aus der gelebten Grundberufung der Getauften, Kirche ist und lebt aus der Gegenwart Gottes mitten unter uns – und weil er an unserem Leben teilhat, werden wir Kirche. Kirche ist und wird, wenn sich Christen einlassen auf ihre Zeitgenossen.“

Eine Handreichung im Bistum Hildesheim bringt den zentralen Kulturwandel nochmal in Worte: „Nun aber sind alle Gläubigen herausgefordert, ihr Christsein als einen persönlichen Berufungsweg zu verstehen und zu gestalten. Zugleich vervielfältigen sich die Erfahrungen des Kircheseins: Kirche, das sind nicht nur die gewachsenen Gemeinden. Auch an neuen Orten wächst Kirche. Immer zentraler wird dabei das gemeinsame Pries-tertum und seine kirchliche Gestaltungskraft – und es verändern sich die Rollen aller Beteiligten – vor allem der Priester und Diakone und der Hauptberuflichen im pastoralen Dienst.“

Solche Veränderungen zu wecken und zu begleiten: Das ist eine der Aufgaben „lokaler Kirchenentwicklung“. Damit möglichst viele Getaufte maximal beteiligt sind an ihrer Kirche.