17.10.2019

"Die Didaktik des Volkes Gottes"

Mehr Bauch und mehr Herz

Was ist wesentlich für die Kirche 2030? Es wäre gut, wenigstens einige Begriffe des „Pastoralsprech“ zu verstehen. Heute geht es in unserem „kleinen ABC der Kirchenentwicklung“ um eine „Didaktik des Volkes Gottes“. Anders gesagt: Warum die Zeit von „Katechismusstunden“ endgültig vorbei ist. Von Johannes Becher.

 

Wir knüpfen aufeinander zu, aneinander an“: Das geistliche Friedenslied klingt wie die Hymne einer „Didaktik des Volkes Gottes“. 

Nicht selten wird die aktuelle Kirchenkrise begründet mit einem fehlenden Glaubenswissen. Und so träumt denn so mancher volkskirchlich geprägte Katholik davon, einfach wieder mehr Katechismusstunden nach dem Sonntagsgottesdienst anzubieten. Damit die Nachwachsenden lernen, was zu glauben ist… Aus. Vorbei. So geht es nicht (mehr)!

Längst sind sich Pädagogen einig, dass es in einer modernen Didaktik – dem Geschehen von Lehren und Lernen – darauf ankommt, die Teilnehmenden stärker einzubeziehen: mit ihren Fragen, ihren Erfahrungen, ihrem Suchen und Finden, ihrem Leben … Und wenn folglich in der Schule seltener die Frontal-Belehrung gewählt wird, sondern häufiger „Gruppenarbeit“, dann gilt solches auch für das „Lernen“ auf dem Weg zu einem veränderten Kirche-Sein. 

Christian Hennecke, der die „lokale Kirchenentwicklung“ in Deutschland mit seinen Erfahrungsberichten und Thesen maßgeblich voranbringt, schreibt in seinem „Kirchenkurs“: „Wenn wir heute von Didaktik sprechen, umfasst dies nicht mehr engführend nur die Frage nach dem ,was‘, sondern auch Fragen nach dem ,wer, mit wem, wo, wozu, wie, womit, warum‘. Es steht also nicht das Vermitteln von Wissen im Vordergrund, sondern immer mehr rückt in den Fokus, dass Lernen auch ein Beziehungsgeschehen ist.“ Anders gesagt: Das Ende der Katechismusstunde und der Beginn von gemeinsamem Glaubenserleben. Eine bislang verkopfte Didaktik wird vom Sockel geholt und rutscht mitten ins Erleben, wird zur Bauch- und Herz-Didaktik. 

Da bekommt das Wort „Katechese“ nochmal einen ganz anderen Klang und Inhalt. Es geht auch dort mehr ums Werden, weniger um Wissen. Ein solches Verstehen führt dann zwangsläufig auch zu anderen Formen und Methoden von Erstkommunion- oder Firmvorbereitung. Aber auch der Erwachsenenbildung. Nach dem Motto: Weniger Mappen und Vorträge, mehr Geschichten erzählen und Erlebnisse teilen. 

Mit Henneckes Worten: „Am Ende einer volkskirchlichen Kirchenlandschaft wird immer deutlicher, dass Christwerden und Christsein ihren Ausgang in den Erfahrungen der Begegnung mit dem Geheimnis Gottes haben – und nicht ,erzogen‘ werden können.“

Anders gesagt: Es geht darum, zu entdecken, dass es im Volk Gottes letztlich nur einen „Lehrenden“ gibt: Jesus Christus.