18.02.2021

Betroffenenbeirat für Limburg, Mainz, Fulda geplant

Missbrauch: Betroffene sollen zu Wort kommen

Bis zum 28. März haben Betroffene von sexueller Gewalt in den drei Bistümern Fulda, Limburg und Mainz Zeit, sich zu überlegen, ob sie im geplanten gemeinsamen Betroffenenbeirat der Diözesen mitmachen wollen. Von Ruth Lehnen
 


Ihre schlimmen Erfahrungen sollen Betroffene sexuellen
Missbrauchs in den geplanten "Betroffenenbeirat" der
Bistümer Fulda, Limburg und Mainz
einbringen.


Bischof Georg Bätzing sieht in der Einrichtung des Beirats ein "Symbol" dafür, dass die Kommunikation im Umgang mit Betroffenen umgekehrt werde: "Wir müssen auf Betroffene zugehen". Über die Bewerbungen Betroffener wird ein eigens eingesetztes Gremium entscheiden. Im Bistum Limburg haben nach Aussagen von Bistumssprecher Stephan Schnelle bisher drei Personen Interesse bekundet, in dem Beirat mitzumachen.

Neun Personen werden gesucht

Gesucht werden für den geplanten "Betroffenenbeirat" neun Personen, die als Kinder oder Jugendliche von Menschen aus der katholischen Kirche missbraucht wurden. Wer daran interessiert ist, im Beirat mitzuwirken, findet auf den Seiten der Bistümer ein "Formular zur Interessensbekundung", das an den jeweiligen Generalvikar geschickt werden soll. Wer in den Beirat kommt, darüber entscheidet ein eigens eingerichtetetes Gremium von vier Männern und einer Frau. Mitglieder dieses Gremiums sind Ralph Gatzka, der Präsident des Landgerichts Limburg war; Klaus Glas, Psychologischer Psychotherapeut aus Flieden; Peter Höding, stellvertretender Landesvorsitzender des Landesverbands Rheinland-Pfalz vom "Weißen Ring"; Barbara Koepper, Mitarbeiterin des Vereins „Gegen unseren Willen" in Limburg und der Schauspieler und Regisseur Kai-Christian Moritz aus Würzburg, Überlebender sexueller Gewalt.

Betroffenenbeirat benennt Mitglieder zur Mitarbeit in Aufarbeitungskommissionen

Bischof Georg Bätzing sagte bei einer digitalen Pressekonferenz, die Einrichtung des Betroffenenbeirats sei eine von 64 Maßnahmen, die das Bistum Limburg zur Aufarbeitung sexueller Gewalt umsetzen werde ("Betroffene hören – Missbrauch verhindern"). Der Betroffenenbeirat soll dazu dienen, die "Betroffenenperspektive" zur Wahrnehmung zu verhelfen. Er soll Mitglieder zur Mitarbeit in den Aufarbeitungskommissionen der drei Bistümer Limburg, Fulda und Mainz benennen.
Als Bischöflicher Beauftragter des Projekts "Betroffene hören – Missbrauch verhindern" ist Dr. Caspar Söling tätig, der Sprecher der Geschäftsführung der Sankt Vincenzstift gGmbH in Rüdesheim und der Antoniushaus gGmbH in Hochheim ist. Er wird eine Fachstelle zu Fragen sexueller Gewalt im Bistum Limburg leiten, die mit einer eigenen Fachkraft für Kommunikation ausgestattet werden wird. Söling betonte, auch die Frage spirituellen Missbrauchs, der häufig sexuellen Missbrauch vorbereite, werde die Fachstelle beschäftigen.

"Transparentes Beschwerdemanagement"

Bischof Bätzing kündigte an, das Bistum strebe ein transparentes Beschwerdemanagement an, dessen sich Professor Peter Platen, Kirchenrechtler, annehmen soll. Fortschritte werde es in Kürze ("noch vor dem Sommer") beim Thema "Führung von Personalakten" geben; diese habe bisher ein desaströses Bild ergeben. Der Bischof betonte, die Aufarbeitung im Bistum Limburg müsse mit der Arbeit des "Synodalen Wegs" verbunden werden. Er sagte, er erwarte in der Zusammenarbeit mit Betroffenen Konfliktsituationen; es gehe nicht darum, sich gegenseitig zu schonen, sondern darum, sich gegenseitig zu fordern.

Satzung und Formulare zur "Interessensbekundung" gibt es unter anderem hier (siehe unten auf der Seite):
https://bistumlimburg.de/beitrag/aufruf-zur-mitwirkung-im-gemeinsamen-be...