05.12.2016

Orgel-Blog

Countdown für die Königin

Orgel Foto: Walter Friehs, Firma Fasen
Die neue Fasen-Orgel Foto: Walter Friehs 

Der Countdown ist zuende, der Tag der Orgelweihe ist da. Lesen Sie, wie die Orgel geweiht wurde, welche Musik erklang und wie die Reaktionen der Gottesdienstteilnehmer aussahen. Der Blog bleibt vorerst noch online, so können Sie immer nochmal nachlesen und viel über die Geheimnisse der Orgel erfahren. Orgelmenschen wie die Orgelbauer, der Organist, der Orgelbauvereinsvorsitzende, die Musiker haben zu der großen Freude beigetragen, haben dazu beigetragen, dass das Ziel nun erreicht ist. Wie es erreicht wurde, dazu lesen Sie hier mehr, lassen Sie sich unterhalten!

Ihre Ruth Lehnen

 

So lange dauert es noch bis zur Orgel-Weihe:

 

 

 

 

5. Dezember 2016

Ein Dank

Der Blog "Countdown für die Königin" wäre nicht möglich gewesen ohne Menschen, die großzügig ihr Wissen und ihre Zeit geteilt haben.

Mein herzlichster Dank gilt Joachim Schneider, Meinrad Bohn, Hubert Fasen, Reiner Simon, Walter Friehs und Julia Hoffmann.

"Ich traf auf die nettesten Menschen. Hörte die anrührendsten Geschichten. Gewann die Königin mit jedem Tag mehr lieb: Wer solche Diener hat, muss wahrhaft königlich sein. So entstand der Blog. Merci an alle, die dabei waren!"

VisitenkarteOrgelfreundin

4. Dezember 2016

Der Tag der Orgelweihe

Die Zahlen stehen auf Null, der Countdown ist vorbei, heute war Orgelweihe. Das letzte Wort am Ende des Tages gehörte einem sichtlich begeisterten Pfarrer Ulrich Jung: „Großartig!“ Der Mainzer Domorganist Daniel Beckmann habe in einem furiosen Durchgang gezeigt, was in dem neuen Instrument steckt.

Einzug Festtag
Vollbesetzte Kirche zum Festtag Foto: Ruth Lehnen

Aufregung, Anspannung – alles fiel von den Beteiligten ab, als bei der feierlichen Vesper die neue Königin sich bestens aufgelegt präsentierte. Nicht nur sie: Der Kirchenchor lieferte eins a alles ab, was Organist und Chorleiter Joachim Schneider ihm in den vergangenen Wochen abverlangt hatte, sang konzentriert und mit Gefühl exakt getimed das „neue Lied“ des Komponisten Andreas Boltz und hinterließ im Zusammenspiel mit Domorganist Daniel Beckmann an der neuen Orgel begeisterte Zuhörer.

Der Ritus der Orgelweihe – für Diözesanadministrator Dietmar Giebelmann ist er nichts Neues. Dutzende Orgeln hat er schon geweiht, aber wenn es darum geht, den Herrn zu bitten: „Segne diese Orgel, damit sie zu deiner Ehre ertöne und unsere Herzen emporhebe zu dir!“, dann ist ihm anzumerken, dass ihm das nahegeht. In seiner Predigt nannte Giebelmann das Engagement für die neue Orgel einen Beweis des Glaubens: „Niemand sorgt sich um eine Orgel, wenn er nicht an die Zukunft seiner Gemeinde glaubt.“

Gebete vor der Orgel
Diözesanadministrator Dietmar Giebelmann spricht das Segensgebet.
Foto: Ruth Lehnen

Und an die Kinder gewandt sagte er: „Wir übergeben die Orgel eigentlich Euch, den Kindern. Für uns hätten die alten Pfeifen gereicht!“ Der Diözesanadministrator betonte, wie sehr die Orgelmusik den Betenden unterstützt: Nicht nur zu Dankgebet und Lobpreis tauge sie, sondern auch, um aus Sprachlosigkeit zu erlösen und die Sorgen von der Seele zu nehmen wie Felsgestein, um es Gott zu Füßen zu legen.

Zu wie unterschiedlichem Ausdruck die Königin der Instrumente fähig ist, zeigte virtuos Domorganist Daniel Beckmann. Bei Max Regers Choralfantasie „Halleluja! Gott zu loben bleibe meine Seelenfreud“ wurde die adventliche Vorfreude zur Musik.

Lächelnde Gesichter, bei dem einen oder anderen feuchte Augen vor Freude – so war die Stimmung bei der Orgelweihe. Der Dank spielte die Hauptrolle: Dank an Gott für das Schöne und Gute wie das vollendete Werk der Orgelbauer, für die Musik und die Freude, sich ausdrücken zu können. Dank an alle, die sich eingesetzt haben, vor allem die Engagierten vom Orgelbauverein, Organist und Chorleiter Joachim Schneider mit seinem Chor, dem Orgelsachverständigen Manfred Wittelsberger, und allen Spendern und Orgelpaten. Ein besonderer Dank und ein Geschenk für die Gemeinde ist die Festschrift, die unter der Regie von Stephan Füssel entstand.

Erleichterung und Freude herrschte auch bei den Orgelbauern. Hubert Fasen hatte seine Frau Beate und seinen Sohn dabei; Walter Friehs, Reiner Simon und Meinrad Bohn waren da. Kein Hänger, kein Heuler, kein falscher Muckser von der Königin, stattdessen Anerkennung von einem, der es wissen muss: Daniel Beckmann lobte die Orgel, die hervorragend geeignet sei sowohl für ihre liturgische Aufgabe wie für Konzerte.

Sternenhimmel
Unterm Sternenhimmel Foto: Walter Friehs Orgelbau Fasen

Das bewies er mit einer Sternstunde der Kirche St. Franziskus: Nach dem letzten Ton gab es jubelnden Beifall, die Zuhörer erhoben sich. Beckmann zeigte erst auf die Orgel und holte dann Orgelbaumeister Hubert Fasen an seine Seite. So standen am Ende mit Joachim Schneider, Daniel Beckmann und Hubert Fasen drei glückliche Männer auf der Empore. 

P.S. Und die Auflösung des Rätsels von gestern ist die: Zur neuen Fasen-Orgel gehören Lichteffekte wie die Beleuchtung der Orgel, die in verschiedenen Farben möglich ist. Außerdem lassen sich an die Decke der Kirche wandernde Lichtpunkte projizieren: ein Sternenhimmel entsteht. All das wird mit der gestern abgebildeten Fernbedienung gesteuert.

Sehen Sie hier die Bildergalerie zur Orgelweihe; dort sehen Sie auch die Lichteffekte.

 

Und hier hören Sie adventliche Impressionen, gespielt auf der neuen Orgel, der Königin.

 

Diese Variationen von "O Heiland reiß die Himmel auf" zeigen die vielfältigen Möglichkeiten der neuen Orgel.

 

 

3. Dezember 2016

Rätsel und Ankündigung

Die Fernbedienung
Was ist das? Eine Fernbedienung, wofür? Morgen wissen wir mehr.
Foto: Ruth Lehnen 

Morgen ist es so weit. Das Fest der Orgelweihe wird gefeiert und der Countdown ist zuende. Heute ein letztes Rätsel für den Blog: Eine Art Fernbedienung ist auf dem Foto zu sehen, aber wofür? Die Antwort auf diese Frage finden Sie morgen hier im Blog. Außerdem lesen Sie gegen Abend einen Bericht von der Orgelweihe. Geplant sind auch eine Fotostrecke sowie zum Finale ein Hörbeispiel: So klingt sie, die Königin.

Auch wer nicht dabei sein kann, kann so doch dabei sein. Bis morgen!

2. Dezember 2016

Ein Brief 

Liebe Königin,

nach 41 Tagen Countdown kommt jetzt die Stunde der Wahrheit. Da musst Du jetzt durch. Wir wissen, wie groß und vielfältig Du bist. Wir wissen, wie stimmgewaltig Du bist. Wir wissen, dass Du zahlreiche Bewunderer und viele Diener hast, die zu Deiner Schönheit beigetragen haben. Aber heute muss es klar gesagt werden: Auch Du bist nur eine Dienerin. Die Dienerin eines größeren Herrn. Du dienst der größeren Ehre Gottes.

Plakat zur Orgelweihe

Und der Ausdruck dessen ist das Fest, das am Sonntag gefeiert wird, die Orgelweihe. Natürlich geht es um Dich, Du wirst bewundert werden. Aber wenn Du mit Weihwasser besprengt wirst und Weihrauch den Kirchenraum füllt, dann heißt das, dass Du, die Königin, ihren Dienst antritt. Oder wie es im Segensbuch, im Benediktionale, der katholischen Kirche heißt: „Bei der Weihe der Orgel soll bewusst werden, dass der Mensch berufen ist, Gott zu loben.“ 

Am Anfang des Fests musst Du deshalb schweigen. Warten, dass Deine Aufgabe Dir zukommt. Dabei wird erinnert an all die Musikinstrumente, die in der Bibel eine Rolle spielen: Posaunen und Flöten, Harfen und Zimbeln. Dann wird Gott gebeten: „Segne diese Orgel, damit sie zu deiner Ehre ertöne und unsere Herzen emporhebe zu dir. Wie die vielen Pfeifen sich in einem Klang vereinen, so lass uns als Glieder deiner Kirche in gegenseitiger Liebe und Brüderlichkeit verbunden sein...“ So, wie Du, liebe Orgel, alle Musikinstrumente in Dir vereinst und ein Orchester bildest der unterschiedlichen Klangfarben, so sollen auch die Christen der Gemeinde alle ihre Talente zum Klingen bringen, um Gott zu ehren und zu loben.

Ich glaube bestimmt, dass dann auch gebetet wird für alle, die ganz andere Probleme haben als den Bau einer neuen Orgel.

Und dann kriegst Du natürlich Deinen großen Auftritt. Der Mainzer Domorganist wird Dich zu präsentieren wissen, dass uns Hören und auch Sehen vergeht. Ich glaube, das wird ein wunderschönes Fest. Ein wunderschöner Tag für alle, die so lange von Dir geträumt haben. Für alle, die jahrelang für Dich gespart haben. Für alle, die seit mehr als einem Jahr an Dir gebaut haben. Für alle, die Musik lieben. Für alle, die von Orgeln wenig Ahnung hatten, aber sich haben gefangen nehmen lassen von Dir.

Also auch für mich. Ich freu mich drauf,

Deine Ruth

1. Dezember 2016

Eine sehr alte Dame oder "Bürgerstolz und Frömmigkeit"

Wer solche Blog-Leser hat, muss nicht alles selber schreiben: Gerd Keßling berichtet von der ältesten Kirchenorgel Deutschlands, die er bei einer Reise durch Norddeutschland kennengelernt hat.


Orgel Rysum
Sie hat sich gut gehalten: Orgel in Rysum Foto: Gerd Keßling

„Wo die jüngste Kirchenorgel Deutschlands steht, ist jedem klar, in St. Franziskus in Mainz-Lerchenberg. Wo aber steht die älteste Kirchenorgel Deutschlands? In Rysum, einem 600-Seelen-Dorf im äußersten Zipfel Ostfrieslands in Krummhörn, etwa elf Kilometer westlich von Emden. Die Kirche steht auf einer Warft etwa sechs Meter über dem Meeresspiegel und war früher Schutzraum für Menschen und Tiere bei Hochwasser. In dieser gottverlassenen Gegend steht die älteste in ihrem Grundbestand noch erhaltene Orgel Deutschlands, und sie ist heute noch spielbar und hat einen wunderbaren Klang. Was die Rysumer 1457 angetrieben hat, eine Orgel zu kaufen, wissen wir nicht. Es war wohl Bürgerstolz und Frömmigkeit.

Die Orgel wurde bei dem Orgelbaumeister Harmannus in Groningen in den heutigen Niederlanden bestellt. Als sie fertig war, wurde sie über die zugefrorene Ems von Groningen nach Rysum geschafft. Die Bezahlung ging so: Man trieb im nächsten Winter zehn Rinder über die zugefrorene Ems bis nach Groningen, verkaufte sie auf dem Markt und bezahlte mit dem Erlös die Orgel. Die älteste Orgel Deutschlands ist also 559 Jahre alt, wenn die jüngste gerade erst zur Welt kommt. Gut, dass wir die Lerchenberger Orgel nicht über den zugefrorenen Rhein schaffen müssen. Schade, dass sie sich nicht mit zehn Rindern bezahlen lässt.“ 

30. November 2016

Wer will heute noch Orgelspielen lernen, Herr Drescher?

Thomas Drescher vor der Orgel im Kirchenmusikinstitut Foto: Ruth Lehnen

Ein Interview mit Thomas Drescher. Er ist Leiter des Instituts für Kirchenmusik im Bistum Mainz, und für Orgeln und Glocken zuständig.

Frage: Wer will heute noch Orgelspielen lernen, Herr Drescher?

Thomas Drescher: Heute startet bei uns ein neuer Kurs mit 17 neuen Schülern. Sie kommen aus Rheinhessen und Südhessen, auch jemand aus Oberhessen. Oberhessen ist oft weniger vertreten wegen der Diasporasituation. 

Müssen die Orgelschüler schon fromm sein oder werden sie durch die Orgel fromm?

Früher waren das junge Leute, die kirchlich sozialisiert waren, die Ministranten waren zum Beispiel. Heute gibt es viele Quereinsteiger und manchmal sogar Ungetaufte. Viele kommen durch das Vorbild der Regionalkantoren. Sie sind fasziniert von der Orgelmusik, sie wollen lernen, was sie lebendig erlebt haben. „Fromm“ würde ich es nicht nennen, aber die Kirchenmusik bringt natürlich mit der Tradition und den Glaubensinhalten in Berührung. Wir haben bereits drei Taufen erlebt. Einmal bin ich sogar Pate geworden.

Sind Kirchenmusiker und Orgelfreunde ein Vorbild für andere in der Kirche, weil sie nie aufgeben dürfen?

Wenn jemand Orgel spielen lernt, ist das ein mühseliger Weg. Man muss lernen und üben. Sein Leben lang. Auch ich muss üben, wenn ich einen Gottesdienst vorbereite. 

Der Prozess, eine neue Orgel für eine Gemeinde zu planen, ist langwierig; immer gibt es die, die sagen: „Das können wir nicht, das schaffen wir nicht!“ Ich bin jetzt 25 Jahre Kirchenmusikdirektor in der Nachfolge von Gert Augst, und so lange wird schon über die neue Orgel auf dem Lerchenberg gesprochen. Angesichts der Ewigkeit sind 25 Jahre nicht viel.

Und wenn so ein langer Atem fehlt?

Das ist das Schwierigste, wenn das Bemühen um die Sache fehlt. Wenn einfach, ohne Kontakt zu uns als der zuständigen Stelle und ohne den Rat der Orgelsachverständigen, eine elektronische Orgel hingestellt wird.

Insgesamt sind Sie aber nicht pessimistisch, wenn Sie auf die Entwicklung in den Gemeinden blicken?

Nein, ich finde es äußerst erstaunlich, wie viele Orgelprojekte von begeisterten Menschen angestoßen werden. Orgelweihen werden seltener, aber viele historische Instrumente werden restauriert. Wir haben ein so tolles Team mit den Regionalkantoren als Multiplikatoren, und so viele nebenamtliche und ehrenamtliche Menschen, die sich für Kirchenmusik engagieren: Organisten, Chorleiter, Kantoren, Sängerinnen und Sänger in den Chören. Musik ist so wichtig nicht nur für die Liturgie, auch für die Verkündigung, und auch für den Gemeindeaufbau. Die Vernetzung zwischen Pastoral und Kirchenmusik könnte allerdings stärker sein. Ich wünsche mir, dass man vor Ort fragt: „Wo sind in meiner Gemeinde Leute, die Begabung haben?“ Ich nenne das „Talente schnüffeln“.

Warum bezahlt das Bistum Mainz nichts für die neue Orgel, wohl aber für die Baumaßnahmen, zum Beispiel die Empore?

Es wird erwartet, dass die Gemeinde und Sponsoren das stemmen. Ganz nachvollziehbar finde ich das nicht. Es geht ja nicht darum, eine Orgel komplett zu finanzieren, sondern darum, ein Signal zu setzen; vielleicht zehn Prozent zu übernehmen.

Kommen Sie zur Orgelweihe?

Aber natürlich! Das ist ein besonderes Projekt, das ich schon lange verfolge, um das so sehr gerungen wurde. Und dass Joachim Schneider, der ja ein Geschenk für die Gemeinde ist, bei uns ausgebildet wurde, das macht mich schon ein bisschen stolz.

29. November 2016

Der Tüftler

Walter Friehs Tueftler
Er hat's raus: Orgelbauer Walter Friehs Foto: Ruth Lehnen

Walter Friehs sitzt vor seinem Laptop, den er auf der Orgelbank platziert hat, und grübelt. Es gibt einen Fehler im Programm, der verhindert, dass sich die Jalousien des Schwellwerks so öffnen wie sie sollen. „Das werde ich auch noch irgendwie rauskriegen“, sagt sich der Orgelbauer. Er hat bisher immer noch alles rausgekriegt, und bis zur Orgelweihe sei es ja noch ganz lang hin (gerade mal fünf Tage!). 

Friehs ist „das Mädchen für alles“ bei Orgelbau Fasen. Er kann alles: Orgeln warten und reparieren, Entwurfszeichnungen in 3D, Ausführungsplanung. Friehs ist die selbsternannte Elektroabteilung im Team: Wo andere Orgelbauer die Elektrik machen lassen, hat sich er so ins Thema reingeschafft, dass er die elektrische Registersteuerung selbst bauen und programmieren kann. „Das macht mir Spaß, sonst hätte ich mich nicht so dahintergeklemmt“, sagt der 49 Jahre alte Familienvater. Wenn Friehs sich hinter was klemmt, vergisst er die Uhrzeit. Dann arbeitet er auch schonmal die Nächte durch, „ohne zu murren“. „Danach mache ich wieder mal drei Tage nix.“ Vielleicht singt er dann, in der evangelischen Kantorei Lechenich ist er „Tenor vom Dienst“ und im Kammerchor Region Westeifel singt er gemeinsam mit seiner Frau.

Orgelbaumeister Hubert Fasen und Walter Friehs kennen sich schon ewig. Als Fasen sich 1994 selbstständig gemacht hat, wurde ihm bald klar, dass es ohne Friehs nicht geht. Ein Modell, das sein Mitarbeiter „befreundeter Chef“ nennt. 

Walter Friehs stammt aus Wittlich, der Stadt, in der im Alten Rathaus viele Werke des Glasmalers Georg Meistermann zu sehen sind – das passt, dass er jetzt hier im Licht der Meistermann-Fenster sein Handy, seinen Laptop, seine Kabel und seine Kamera unter Kontrolle bringt – alles im Dienst der Königin. Freut er sich auf die Orgelweihe? Ganz entspannt sei man nicht, sagt der Orgelbauer. Die Weihe ist die erste offizielle Würdigung, das ist schön, aber es kann ja auch mal was schiefgehen. Und sein „befreundeter Chef“ sieht es jetzt doch ein: „Die Orgel ist ja auch nur ein Mensch.“

28. November 2016

Die Kassette

Zuerst suche ich auf dem Speicher. Nein, da werde ich nicht fündig. Wir hatten aber doch noch…Vielleicht im Keller? Hier nicht, verflixt. Im Vorratsraum? Aha, da ist das Ding. Sieht schlimm aus, ganz verstaubt. Ob der noch geht? Der Kassettenrecorder?

Die Kassette
Ein Stück Geschichte: Die Kassette zur Orgelweihe 1981. Foto: Ruth Lehnen

Ich lege die Kassette ein, und ja, da erklingt schon die Musik, überraschend rein: Thomas Simpson, Intrade für 5 Instrumente. Es ist eine Botschaft aus einer anderen Zeit, genauer gesagt, vom Ostersonntag 1981, dem 19. April 1981. Damals feierte die Gemeinde St. Franziskus die Orgelweihe ihrer ersten Pfeifenorgel, die unter großem Einsatz vieler Gemeindemitglieder selbst zusammengebaut worden war. Diese Orgelweihe fand im Pfarrheim statt, denn damals gab es noch keine Kirche in der Neubaugemeinde.

Die Aufnahme ist ein schönes Stück Geschichte. 35 Jahre hat Johannes Smykalla, der 1981 Pfarrgemeinderatsvorsitzender war und heute 76 Jahre alt ist, die Kassette verwahrt und sie jetzt wieder hervorgeholt. Zu hören ist darauf, wie selbstbewusst die junge Gemeinde dem damaligen Generalvikar Martin Luley ihre Forderung nach einer eigenen Kirche vorträgt. Der gerade gegründete Kirchenchor beeindruckt mit einem anspruchsvollen Programm.

Gert Augst bei der Feier der Orgelweihe 1981 Foto: Gerd Keßling

„Aufnahme und Produktion“ der Kassette übernahmen, so ist auf Millimeterpapier genau verzeichnet, August und Matthias Ermert. Ihnen war die Musik das Wichtigste, den Ritus der Weihe zeichneten sie nicht auf, und die Worte des Generalvikars fassten sie kurzerhand zusammen: 2:15 Minuten.

Die Orgel habe fast so viele Pfeifen, wie es katholische Christen auf dem Lerchenberg gebe, sagte Pfarrer Josef Beheim; das Gelächter wurde ebenfalls aufgezeichnet.

Zur unmittelbar bevorstehenden Orgelweihe 2016 gibt es übrigens Parallelen: 1981 entschied sich Organist Gert Augst für Max Reger (Te deum laudamus; op.59 für Orgel). Ein Werk desselben Komponisten bringt auch der Mainzer Domorganist Daniel Beckmann am 2. Advent zu Gehör: Er hat sich für eine Choralphantasie Regers entschieden, nach dem Choral „Halleluja! Gott zu loben bleibe meine Seelenfreud“. Und was 1981 auf dem Programm stand, wird auch diesmal wieder am Ende gesungen: „Großer Gott, wir loben dich“.

27. November 2016 1. Advent

Ein Stern geht auf

Organist Schneider mit Cymbelstern
Organist mit Cymbelstern

Wenn Sie das „Titelbild“ des Blogs betrachten, ist Ihnen vielleicht schon der Stern an der Orgel aufgefallen. Das ist keine verfrühte Weihnachtsdekoration, das ist der Cymbelstern. Hinter dem Stern verbirgt sich ein weiteres Effektregister. Von einer Pfeifenreihe kann man hier allerdings ebenso wenig sprechen wie bei der „Lerche“. Der Cymbelstern ähnelt mehr einer überdimensionierten Spieluhr.

Wenn alles fertig ist, wird der Cymbelstern per Motor bedient, aber jetzt dreht Organist und Chorleiter Joachim Schneider an einer Kurbel und setzt den Mechanismus per Hand in Gang: Hämmerchen schlagen die Schalenglocken und lassen liebliche Töne hören. „Ein Muss an Weihnachten,“ meint Schneider und verrät, dass die Organisten den Cymbelstern deshalb gern „Zimtstern“ nennen.

Der Stern des Cymbelsterns ist ein schönes dekoratives Objekt außen an der Orgel, oft kommt er in goldener Pracht daher. Gold hätte aber mit dem Grau der Lerchenberger Orgel nicht harmoniert. Deswegen wurde lange hin- und herüberlegt, wie der Cymbelstern an der Stirn der neuen Königin aussehen könnte.

Ein Stern geht auf
Der "Zimtstern" Fotos: Ruth Lehnen

Joachim Schneider fand die ebenso naheliegende wie einleuchtende Lösung: Vom Spieltisch aus sieht man ein manchmal wenig beachtetes Meistermann-Fenster, das die Weihnachtsszene darstellt. Und auch hier darf der Stern nicht fehlen. Dieser Stern wurde zur Inspiration für den Cymbelstern, der silbern und blau strahlt. So grüßt in Zukunft über den Himmel des Kirchendachs hinweg ein Stern den anderen: Der Cymbelstern grüßt den Weihnachtsstern.

 

26. November 2016

Chorprobe: Die Arbeit am neuen Lied

Kirchenchor St. Franziskus
Mit vollem Einsatz: Kirchenchor St. Franziskus Foto: Ruth Lehnen

So viel steht fest: Das neue Lied, das Andreas Boltz komponiert hat, ist schön, macht aber viel Arbeit.

"Im Chorsatz wandert die Liedmelodie in den einzelnen Strophen jeweils durch alle Stimmen des Chores." So hat es der Komponist in Worte gefasst. Was das bedeutet, kann ich jetzt erleben: Entweder der Sopran oder der Alt oder der Tenor oder der Bass sind "dran" mit der Melodie, die anderen sollen in der Zeit piano singen. Schon das allein einzuüben, erfordert Geduld, Bestimmtheit, Ermunterung. Die Einsätze werden wiederholt und wieder wiederholt. Und dann noch der "Groove". Chorleiter Joachim Schneider verlangt Leichtigkeit, "aus der Hüfte singen". Immer wieder, immer neu, gefühlt hundertmal "Singt dem Herrn ein neues Lied!" 

Kirchenchorprobe. Was verbindet einer mit diesem Wort? Nicht das, was hier zu erleben ist. Alle 40 Sängerinnen und Sänger wissen, bei der Orgelweihe am 2. Advent geht's um was. Der Diözesanadministrator kommt, der Mainzer Domorganist spielt, die Kirche wird proppenvoll sein. Vor allem aber wollen sie ihren Chorleiter nicht enttäuschen. Denn der brennt für das neue LIed. Er tanzt es, er zeigt es. Er singt alle Stimmen, nicht nur mit dem Mund, auch mit der Stirn, den Augen und Augenbrauen. Er schwitzt, er lockt, er animiert, er reißt sie alle mit sich. Dabei sagt er Sachen wie "Es fehlt ein bisschen der Wumms." Oder "p wie piano, nicht p wie prüllen." Oder "an der Stelle ist Atmen contraproduktiv". Oder "ein bisschen aus den Puschen kommen, Kollega." Oder "Wenn wir jetzt noch mitdenken, was wir singen, wird's richtig gut!" Und es passiert: Sogar ein unmusikalischer Mensch kann hören, dass "das neue Lied" immer besser wird, dass der Groove sich einstellt. Es ist wie ein Puzzle, das sich zusammensetzt. "Ganz gut!" sagt Joachim Schneider und lächelt. Das ist sein höchstes Lob.

25. November 2016

Das neue LIed

Andreas Boltz
"Singt dem Herrn ein neues LIed": Andreas Boltz
Foto: privat

Andreas Boltz steuert zur Orgelweihe ein neues Lied bei. Fragen an den Dommusikdirektor in Frankfurt.

Was bedeutet für Sie eine neue Orgel und die Gelegenheit, sie zu feiern?

Andreas Boltz: Jeder Kirchenmusiker hat wahrscheinlich nur einmal in seinem Leben die Gelegenheit, eine Projekt wie einen Orgelneubau zu begleiten. Das beginnt mit den ersten Impulsen, ein veraltetes Instrument durch ein Neues ersetzen zu müssen und geht weiter über ein wie überall langwieriges und kompliziertes Genehmigungsverfahren. In den meisten Fällen stellt die Finanzierung eines solches Großprojekts die größte Hürde dar. Hier braucht es Durchhaltevermögen, Überzeugungskraft und eine Vielfalt guter Ideen. Von dem Tag an, an welchem der Orgelbauer beginnt, das Instrument in der Kirche aufzubauen, wächst die Freude, die Orgel endlich erklingen lassen zu können, ins schier Unermessliche. Der Tag der Orgelweihe ist dann als Zielpunkt oft jahrelangen Bemühens und unermüdlichen Einsatzes in seiner Bedeutsamkeit kaum hoch genug einzuschätzen.

Können Sie uns einen kleinen Vorgeschmack auf Ihre Komposition geben? Es geht ja darum, dem Herrn ein neues Lied zu singen.  

Organist Joachim Schneider hat mich gebeten, für den Tag der Orgelweihe am 2. Adventssonntag eine Bearbeitung eines Liedes aus dem "Gotteslob" für Chor und Orgel zu komponieren. Aus einer Vorschlagsliste haben wir GL 409 ausgewählt, da es nicht auf eine Verwendung ausschließlich in der Adventszeit festgelegt ist.

Der Orgelpart verwendet als Hauptelement eine fünftönige Tonfolge der Liedmelodie, die in immerwährenden Veränderungen präsent ist. Dazu kommen rhythmische und harmonische Elemente, welche die Freude am Lob Gottes zum Ausdruck bringen.

Im Chorsatz wandert die Liedmelodie in den einzelnen Strophen jeweils durch alle Stimmen des Chores. Die dritte Strophe greift in den Begleitstimmen des Chores die oben genannte Rhythmusfigur auf. In der letzten Strophe tritt als Höhepunkt eine fünfte Stimme dazu. Wer genau zuhört, entdeckt in den Zwischenspielen der Orgel möglicherweise auch traditionell Humorvolles...

www.domkonzerte.de

 

24. November 2016

Im Cockpit

Tufan im Cockpit
Tufan zieht, nein: schaltet, alle Register  Foto: Ruth Lehnen

Tufan war noch nie hier oben. Auf der Empore. Ganz andere Aussicht von hier. Jetzt darf er auch noch einen Blick aufs Cockpit werfen. Ja, sogar selber Tasten drücken. Und auch Schalter? Und auch Schalter. Cool. 

Was Tufan da drückt, sind die Registerschalter. Drückt er zum Beispiel auf Rohrflöte 8’, passiert folgendes: Ein Magnet in der Orgel bekommt Strom und elektrisch wird die Schleife gezogen, das heißt, das Register (die Pfeifenreihe) Rohrflöte 8’ bekommt Wind und die Pfeifen ertönen. Wie genau diese elektrische Steuerung funktioniert, interessiert Tufan aber weniger. Er will wissen, wie die Orgel besonders laut wird (möglichst viele Schalter drücken) und wie Reiner Simon mit den Füßen Orgel spielt. 

Register ziehen – den Ausdruck kennt jeder – das war früher mal. Da war derselbe Vorgang, der jetzt elektrisch „geschaltet“ wird, noch mechanisch, und weil der Organist die vielen Knöpfe während des Spiels gar nicht alle selber ziehen konnte, gab es den so genannten Registranten, der das für ihn tat. Geblieben ist in der Sprache der Ausdruck „alle Register ziehen“: etwas in Gang setzen und alle vorhandenen Mittel nutzen.

Und die anderen Knöpfe hier, will Tufan wissen, wozu sind die da? Die gehören zur modernen Computertechnik des Spieltischs: Die Organisten können heute mehrere tausend Klangkombinationen mit einem so genannten Setzer einspeichern, also programmieren. Die eingespeicherten Kombinationen der Register sind dann mit einem Fingerdruck oder Fußtritt abrufbar. Heute ist es also viel leichter als früher, Register zu ziehen.

 

23. November 2016

Das Orgelbuch

Stephan Füssel und Albert Ernst
Das "Orgelbuch" entsteht; links Stephan Füssel, rechts Albert Ernst.
Foto: Rita Füssel

In St. Marien gibt es viele Talente. So auch vom Buchwissenschaftler Stephan Füssel. Er hat die Aufgabe übernommen, eine Festschrift für die Königin auf den Weg zu bringen; es ist daraus ein „Orgelbuch“ geworden mit 52 Seiten. 

Füssel, der Professor an der Mainzer Universität ist, nutzte seine Kontakte, um ein Buch zu machen, das gut aussieht und sich gut anfühlt. Dabei half ihm Diplomdesigner Albert Ernst aus Wiesbaden. Die beiden überließen bei der Gestaltung nichts dem Zufall; die Schrift ist zum Beispiel eine „Optima nova“ – so schön, dass Füssel ins Schwärmen gerät: „Ich bin ganz verliebt in diese Schrift!“ Frau Füssel wird’s ihm nachsehen. 

Noch ist das Orgelbuch nicht da, es wird gerade gedruckt, aber es soll „ein schönes Andenken“ werden, durchgängig vierfarbig, ohne Anzeigen, geschmückt mit Fotos von Walter Friehs von Orgelbau Fasen. Das Buch wird verschenkt an alle Interessierten, soll der Gemeinde und auch dem Orgelbauer zur Werbung dienen: Seht her, so schön ist das Werk gelungen, kommt her und hört die Königin!

Zu viel darf noch nicht verraten werden über den Inhalt, aber eifrige Blog-Leser kennen die meisten Autoren schon. Der Vorsitzende des Orgelbauvereins, der Chorleiter und Organist, der Orgelsachverständige, der Orgelbauer und noch andere kommen zu Wort. Und Stephan Füssel schildert den Dreiklang: durch das Wort und durch das Bild (die Meistermann-Fenster) und ganz neu durch die Orgel ersteht St. Franziskus als Gesamtkunstwerk.

 

22. November 2016

Die heilige Cäcilia, ihre Orgel, und ein Übersetzungsfehler

Die heilige Cäcilia an der Orgel, aus St. Remigius in Wöllstein (Rheinhessen)
Foto: Barbara Nichtweiß

Allen, die Cäcilia heißen, einen herzlichen Glückwunsch zum Namenstag! Der 22. November ist ihr Tag! Cäcilia oder Cäcilie ist heute ein ungewöhnlicher Name, aber es gibt viele Chöre, die so heißen, zum Beispiel „Cäcilia 1936“ aus Mainz-Laubenheim. Das kommt daher, weil es sich bei der heiligen Cäcilia um die Patronin der Kirchenmusik handelt, wie sie auch in dem schönen Fensterbild aus der Kirche in Wöllstein abgebildet ist: Orgel spielend!

Allerdings ist es unwahrscheinlich, dass die heilige Cäcilia die Orgel gespielt hat. Sie war eine Römerin, die um 200 nach Christus geboren wurde; angeblich hat sie viele Menschen zu Christus bekehrt und ist als Märtyrerin auf grausame Weise gestorben. Als sie enthauptet werden sollte, gelang es nicht, und sie lebte mit dieser Verletzung noch drei Tage. Wer je ihr marmornes Bild von Stefano Materno in der Kirche Sancta Cecilia im römischen Viertel Trastevere gesehen hat, kann sie nicht vergessen: Hingegossen liegt sie da, schön noch im Tode.

Die Heiligen in der katholischen Kirche haben ja ihre Attribute, an denen man sie erkennen kann, zu Cäcilia gehören die Orgel, die Geige oder die Rose, auch das Schwert als Hinweis auf ihr Martyrium.

Die Verbindung zur Orgel geht wahrscheinlich auf einen Übersetzungsfehler zurück. In der im 5. Jahrhundert entstandenen „Passio sancta Caeciliae“  hieß es, dass bei ihrer Hochzeit Musik erklungen sei und Instrumente gespielt wurden. Eigentlich hieß die Zeile: „Unter dem Klang der Instrumente sang die Jungfrau Cäcilia in ihrem Herzen“; aber dann gab es einen Übersetzungsfehler, und aus „organis“ wurde die Orgel: „die Orgel spielend sang die Jungfrau Cäcilia in ihrem Herzen“. 

Mag auch vieles rund um die heilige Cäcilia ins Reich der Legenden gehören, der Allgemeine Cäcilienverband  (ACV) ist ganz real. Er hat 380 000 Mitglieder in mehr als 18 000 Gruppierungen. Sein Ziel ist, die Bedeutung und den Stellenwert von Musik im Gottesdienst und in der Gemeindearbeit bewusst zu machen. 

Cäcilia hat also ein reiches Nachleben; sie wurde unter anderem zur Titelfigur in einer Legende Heinrichs von Kleist Die heilige Caecilie oder die Gewalt der Musik; sie wurde oft besungen, Henry Purcell und Georg Friedrich Händel widmeten ihr Oden.

In der aktuellen Ausstellung „Caravaggios Erben“ in Wiesbaden sind zwei schöne Bilder von der heiligen Cäcilia zu sehen; eins davon, vermutlich von Francesco Guarino, findet sich auch auf der Homepage des Museums. Hier ist Cäcilias Tod dargestellt, neben ihr liegt ein Notenheft und ein hölzernes Blasinstrument, ein „Zink“ („Cornetto torto“). Die heilige Cäcilia als Patronin der Organisten, Orgelbauer, Instrumentenmacher, Sänger, Musiker und Dichter ist also eine, die noch im Todeskampf musiziert hat, eine Vorstellung, die uns sehr fremd und auch sehr entrückt vorkommt.

 

21. November 2016

Es ist die Lerche und nicht die Nachtigall

Effektregister Lerche
Sie zwitschert: Effektregister "Lerche" Foto Ruth Lehnen

In William Shakespeares Stück „Romeo und Julia“ unterhalten sich die Liebenden über die Nacht und den anbrechenden Morgen. Julia will den Geliebten bei sich behalten und redet sich und ihm ein, bis zum Morgen sei es noch lang. Ihre Worte sind geflügelte Worte geworden: „Willst du schon gehen? Der Tag ist ja noch fern. Es war die Nachtigall und nicht die Lerche, die eben jetzt dein banges Ohr durchdrang.“ („It was the nightingale, and not the lark.“) Bei der Lerchenberger Orgel ist es umgekehrt: Es  ist die Lerche und nicht die Nachtigall.

"Nachtigall" nennen die Orgelbauer eine romantische Zutat zur Orgel, ein Effektregister. Es ahmt Vogelstimmen nach, daher der Name. Bei den englischen Orgeln heißt es „Bird“, und auf dem Lerchenberg muss es einfach „Lerche“ heißen.

Organist Joachim Schneider zeigt mir das Versteck der „Lerche“. Sie sitzt ganz hinten ganz unten in der Orgel und besteht aus zwei kleinen Pfeifen, die kopfüber in einem Wassertöpfchen stehen. Werden sie angeblasen, ergibt sich durch das Wasser ein Ton, der klingt wie Vogelgezwitscher.

Übrigens kommt die Lerche, die „Tagverkünderin“, in Shakespeares Stück gar nicht gut weg: „Es ist die Lerche, die so heiser singt, und falsche Weisen, rauen Misston gurgelt“. Aber bei der Lerchenberger Orgel hat die Lerche nichts mit Trennung und Angst zu tun, sondern mit Spiel- und Lebensfreude.

 

20. November 2016

Das letzte Konzert ohne die neue Orgel

Festkonzert "Cäcilia 1936"  in St. Franziskus Foto: Ruth Lehnen

Gestern waren viele junge Leute in der Kirche, die einen 80. Geburtstag feierten: den des Kirchenchors „Cäcilia 1936“ aus Mainz-Laubenheim. Der Chor trat zusammen mit dem Kammermusikensemble-Laubenheim auf und brachte Gabriel Faurés „Requiem“ zur Aufführung.

Der Franzose hatte das Requiem als sein einziges religiöses Werk zwischen dem Tod seines Vaters und dem seiner Mutter geschrieben. Er bezieht darin auf anrührende Weise den Wunsch „in Paradiso“ ein: „Zum Paradies mögen Engel dich geleiten, bei deiner Ankunft die Märtyrer dich begrüßen und dich führen in die heilige Stadt Jerusalem.“

Es gab starken Applaus – auch für die Solisten Sophie Heitzmann und Sebastian Kunz. Und für den erst 20 Jahre alten Chorleiter Tobias Keil.

Klaus Lenhard vom Orgelbauverein wies alle Gäste auf die fast fertige Fasen-Orgel hin: „Das ist das letzte Konzert ohne die neue Orgel!“ Der 80. Geburtstag des Laubenheimer Chors hat der Königin Geschenke in Form von Spenden eingebracht. Nicht nur deshalb schauten sich die Gäste aus Laubenheim die neue Orgel genau an: Orgelbaumeister Fasen wird bald auch in ihrer Gemeinde tätig; dort wird zur Zeit für eine neue Orgel gesammelt.

 

19. November 2016

"Halleluja! Gott zu loben bleibe meine Seelenfreud"

Beckmann vor der Domorgel
Daniel Beckmann vor der Mainzer Domorgel Foto: Werbewerkstatt Korinski

Bei der Orgelweihe spielt Professor Daniel Beckmann, Domorganist in Mainz. Er verrät, was am 2. Advent musikalisch zu erwarten ist. Und was am Dom passieren würde, wenn er einen Wunsch frei hätte...

Frage: Wenn Sie eine neue Orgel sehen oder eine Orgel zum ersten Mal vor sich haben, wonach schauen Sie dann zuerst? Gibt es eine Routine, der Sie dabei folgen?

Domorganist Daniel Beckmann: Nach Prüfung der Disposition, die meist schon sehr viel über die stilistische Ausrichtung des Instruments verrät, entwickle ich gleich eine Vorstellung davon, welches Repertoire sich hier überzeugend darstellen können lassen wird. Am Spieltisch teste ich tatsächlich meist zunächst den Prinzipal 8' des Hauptwerks - sozusagen das klangliche Rückgrat der Orgel. Wenn der nichts taugt, dann tut es die Orgel meist auch nicht. 

Verraten Sie uns, was Sie spielen werden? Und warum Sie dies ausgesucht haben?

Bei Orgelweihen lege ich immer viel Wert darauf, die Orgel so vielseitig wie möglich zu präsentieren. Da die Lerchenberger Orgeldisposition einige romantische Anleihen hat, lag es nahe, auch solche Musik aufs Programm zu setzen. Die Weihe findet im liturgischen Rahmen einer Vesper statt, also werden Psalmen gesungen. Einen Psalm substituiere ich mit einer Choralphantasie Max Regers, dessen 100. Todesjahres in der Musikwelt in besonderer Weise gedacht wird. Ihr Thema ist der Choral "Halleluja! Gott zu loben bleibe meine Seelenfreud", der den Psalm 146 paraphrasiert. Die Komposition, die gleichsam mein Hauptbeitrag dieses Abends werden soll, ist partitenhaft angelegt und erlaubt somit zahlreiche Registerkombinationen. Ferner gibt es - dem Anlass und Kirchenjahr entsprechend - noch weitere adventliche und festliche Musikbeiträge.

Am Mainzer Dom haben Sie eine Orgel, über deren Schwächen Sie offen gesprochen haben. Wenn Sie einen Wunsch frei hätten…

...dann würde bald der Auftrag zum Neubau vergeben.

 

18. November 2016

Domorganist Daniel Beckmann: "Beim ersten Spiel wird es offenbar"

Mainzer Domorganist Daniel Beckmann
Er spielt bei der Orgelweihe: Der Mainzer Domorganist Daniel Beckmann
Foto: Porträt-Studio Schröder, Paderborn

Zum allerersten Mal im Gottesdienst erklingt die neue Orgel am 2. Adventssonntag,
4. Dezember, wenn um 15 Uhr in St. Franziskus die Orgelweihe stattfindet. Spielen wird sie Professor Daniel Beckmann, Domorganist in Mainz. Er gibt auch um 17 Uhr am selben Tag ein Konzert, bei dem er die Orgel in ihrer Vielfalt präsentiert. Daniel Beckmann zu Fragen rund um die Orgelweihe; morgen folgt hier Teil 2 des Interviews.

Sind Sie oft bei Orgelweihen dabei?

Daniel Beckmann: Im kunsthandwerklichen Orgelbau werden Instrumente meist für mehrere Generationen gebaut. Sie überdauern viele Jahre und Jahrzehnte, bei besonders qualitativen Instrumenten können es sogar Jahrhunderte sein. So kommt es nicht sehr häufig vor, Orgelweihen beiwohnen zu können, ein paar Mal habe ich es aber dennoch bereits erleben und mitgestalten dürfen. 

Warum ist es besonders, eine Orgel zum allerersten Mal zu spielen? 

Die Planung einer Orgel bedarf einer intensiven Auseinandersetzung mit den räumlichen und akustischen Gegebenheiten der jeweiligen Kirche sowie dem liturgischen und konzertanten Anforderungsprofil der dazugehörigen Gemeinde. 

In Zusammenarbeit mit den zuständigen Orgelsachverständigen, Vertretern der Pfarrei und dem amtierenden Kirchenmusiker wird unter Berücksichtigung all dieser Faktoren ein individuelles Konzept entwickelt, das meist keinem zweiten gleicht. 

Die ausführende Orgelbaufirma wird mit Bedacht gewählt, viele Hoffnungen werden in die tadellose Herstellung des Unikats gelegt. Ob am Ende alle Erwartungen erfüllt oder gar übertroffen werden, wird dem Organisten meist schon beim ersten Spiel in der Weiheliturgie offenbar. Hier erkennt er, ob sich die Orgel im gewünschten Maße für liturgisches und literarisches Orgelspiel eignet, ob der Gemeindegesang mit ihr adäquat geführt werden kann und ob ihre Intonation gut mit der Raumakustik korrespondiert. 

Er wird dabei zu schätzen wissen, wenn die Spieltrakturen eine sensible Artikulation erlauben, die Spieltischmensuren und die Erreichbarkeit der einzelnen Bedienelemente ergonomischen Parametern folgen und ein mechanisches Werk im gekoppelten Zustand nicht zu viel Kraft verlangt. 

Die Gemeinde erlebt die Orgel freilich aus einer anderen Perspektive. Sie wird sich schnell ihr Urteil darüber bilden, ob die neue Orgel zu laut oder zu leise ist, ob sie sich architektonisch gut in den Bestand einfügt und ob ihre Klänge anzurühren vermögen. 

Auch für den Orgelbauer selbst ist die Weihe stets eine Art Feuerprobe. Er hofft, dass das Instrument, in dessen Errichtung er und seine Mitarbeiter tausende Arbeitsstunden investiert haben, die hohen Erwartungen des Auftraggebers und der Gemeinde erfüllen können wird. So ist eine solche Inauguration stets für alle Beteiligten etwas Besonderes.

Lesen Sie hier morgen, was Domorganist Daniel Beckmann bei der Orgelweihe spielen wird.

 

17. November 2016

Der Traum von einer Orgel

 

 

 

 

Kirchenmusiker Reiner Simon
Reiner Simon: KIrchenmusiker mit Faible für Orgelbau 
Foto Ruth Lehnen

Reiner Simon hat die dicke Jacke an. Es sind lange Tage jetzt an der Orgel, draußen ist es stockdunkel, und vor 21 Uhr hören die Männer nicht auf mit der Arbeit. Der Countdown läuft. Trotzdem kommt hier keine Hektik auf: Orgelbauer Hubert Fasen, Schreiner Meinrad Bohn und Kirchenmusiker Reiner Simon sind ein eingespieltes Team. Für die Intonation braucht es Geduld. „Man kann es nicht forcieren“, sagt Simon. Kein Instrument misst die Lautstärke: „Die Lautstärke soll festlich und mitreißend sein, nicht schreiend und erschlagend. Das Messgerät ist ausschließlich das Ohr.“ 

Simon hat in Aachen Kirchenmusik studiert, interessiert sich aber auch immer schon für den Orgelbau. Er arbeitet zuhause in der Eifel nebenamtlich als Kirchenmusiker. Er liebt seine Freiheit. Und eine wichtige Geschichte in seinem Leben beginnt so: „Der arme Reiner träumte immer von einer Orgel.“

Um in der Jakobus-Kirche seines Heimatorts Rodershausen irgendwann einmal eine Orgel zu bauen, hatte der Kirchenmusiker ein riesiges Lager aufgehäuft. Dann kam seine Chance. Eine englische Orgel wurde zum Kauf angeboten, und sie war es, die Erfüllung seines Traums. Er kaufte sie, die aus einer aufgegebenen Kirche in England kam, und deren „runde, dunkle Stimmen“ ihn faszinierten. Seine neue alte Orgel machte ihm noch viel, sehr viel Arbeit, bei der Hubert Fasen ihm half. 13 Register hatte diese Albert-Keates-Orgel von 1920, 13 sind noch hinzugekommen. Zehn Jahre seines Lebens steckte der 51-jährige Simon in dieses Projekt, seine Frau trug es mit Fassung. Dieses Jahr noch vor Weihnachten soll die Orgel in Rodershausen ganz und gar fertig werden, es ist eine Geschichte mit Happy End: „Ich bin total glücklich.“ Und was kommt nach der Erfüllung seines ganz persönlichen Orgeltraums? „Da muss ich jetzt viel üben, um mich ihrer würdig zu erweisen.“

Und so sieht die Albert-Keates-Orgel aus: Details zur Orgel in Rodershausen

 

16. November 2016

Ist die Orgel eine Frau?

"Ja man könte wol sagen / daß die Orgel ein künstlich gemachtes Tier sey / welches durch hülff der Lufft oder des Windes und Mänschlicher Hände / gleichsam rede / klinge / singe / und modulire ..."

Michael Prätorius, 1619

Sie redet, klingt und singt. Das tut kein Tier, das tun nur Menschen. Ohne Vergleiche mit dem Menschen scheint nichts zu gehen im Reich der Königin. Sie hat Lungen (den Balg) und ein Herz (die Windlade), ihre Pfeifen haben Münder und sogar Bärte, manche haben Stiefel an; die Orgel an sich hat ein Gesicht, den Prospekt... Wenn jetzt die Orgel mit einem Menschen verglichen wird, was ist sie dann, Mann oder Frau? Na klar, es heißt „die Orgel“, und sie ist „die Königin“, also ist sie eine Frau? Dagegen steht ein berühmtes Zitat von Wolfgang Amadeus Mozart, der am 17. Oktober 1770 an seinen Vater schrieb : „Die orgl ist doch in meinen augen und ohren der König aller Instrumenten“. Der König!

Orgelbauer Hubert Fasen hat nicht viel übrig für solche Gedankenspiele. Für ihn ist die Orgel sogar nur ein „optisch schönes Möbelstück“, das erst  durch den Organisten zum Leben kommt. Fasen beruft sich dabei auch auf den Namen „Orgel“, der vom griechischen Organon kommt: „Instrument, Werkzeug“. 

Kirchenmusiker Reiner Simon gibt zu bedenken, dass die Pfeifen im Prospekt einen höheren Zinnanteil haben, damit sie besonders glänzen: Damit putzt sich die Orgel richtig raus. Ein Hinweis auf ihre Weiblichkeit? Schreiner Meinrad Bohn ist sich aus anderen Gründen ganz sicher, dass die Orgel eine Frau sein muss. Egal, wie viel man sich mit ihr beschäftigt, nie kennt mann sich ganz mit ihr aus: Sie ist und bleibt geheimnisvoll!

15. November 2016

Das Rätsel mit den Füßen

Herrn Simons Fuß
Doch nicht der Fuß... der gehört Herrn Simon. Foto: Ruth Lehnen

Es gibt Menschen, die wissen so was. Man kann es auch googeln. An mir war des Rätsels Lösung bisher vorbeigegangen: Wenn von Registern (Pfeifenreihen) beim Orgelbau die Rede ist, finden sich immer diese Zahlen. Als Frau des Worts habe ich sie stets mit Unverständnis betrachtet. Und dann noch dieses komische Zeichen: Prinzipal 8′, das macht ja meine Tastatur nicht mit. Oder Superoctave 2′.

Dank dem Orgelsachverständigen Manfred Wittelsberger kam jetzt die Erleuchtung: Das ominöse kleine Zeichen ′ bedeutet „Fuß“. Und „Fuß“ ist ein Längenmaß, ein Fuß entspricht etwa 30 Zentimetern. Wenn man dann noch weiß, dass die Orgelbauer immer die Länge der größten Pfeife eines Registers angeben, die gleichzeitig die mit dem tiefsten Ton ist, wird langsam ein Schuh aus dem Fuß ... und das Rätsel gelöst. Allerdings ist nichts ganz einfach, und so auch hier: Denn die Pfeifen werden in Fuß gemessen, aber ohne Fuß ... (Pfeifenfuß) und ohne Überlänge: Nur der klingende Teil wird gemessen. Prinzipal 8′ bedeutet also: Im Register Prinzipal hat das tiefe C, der tiefste Ton, eine Pfeife von 2,4 Metern Länge; allerdings ist die Pfeife tatsächlich noch größer. Wenn man den Pfeifenfuß und die wegen der Optik nötige Überlänge mitzählt, kommt man auf vier Meter.

 

14. November 2016

Der Wind, das himmlische Kind

"Die Orgel gleicht in vielen Stücken dem menschlichen Körper. So wie es für diesen ohne Luft kein Leben giebt, so giebt es auch bei der Orgel ohne Wind keinen Ton. Eine Orgel ohne Wind ist daher eine kunstvolle Maschine ohne Leben." 

Johann Julius Seidel, Die Orgel (1843)

Die Lunge der Orgel: der Balg. Oben rechts der Winderzeuger

Die Orgel atmet. Sie hat eine Hauptlunge, die Balg heißt, aber nicht aussieht wie ein Balg, sondern wie ein Kasten. Ein silberfarbenes elektrisches Gerät, der Winderzeuger, saugt die Innenluft aus der Kirche an und befördert sie in den Kasten. Es ist ein faszinierender Anblick, wenn die Luft aufsteigt und der Deckel des Kastens angehoben wird: Wie ein Luftholen sieht das aus. Am Rande des Kastens sorgen Leder und Gummituch dafür, dass keine Luft entweichen kann: Dieser Kasten wird nie leer. Eisenplatten auf dem Deckel beschweren den Deckel so, dass Druck erzeugt wird, denn die Orgelpfeifen brauchen „starken Wind“. 

Die Orgelbauer nennen die Orgelluft Wind, was mir gefällt, denn es erinnert an „der Wind, der Wind, das himmlische Kind“ aus dem Märchen. Und an den Wind in der Bibel als Zeichen des heiligen Geistes. 

Hat die Orgel „Luft geholt“, wird der Wind über Windkanäle zur Windlade geleitet. Ist der Balg die Lunge, so ist die Windlade das Herz der Orgel. Warum? frage ich Reiner Simon. „Weil dies der Knotenpunkt ist: Hier laufen die Abstrakten hin, die Tasten und Pfeifenventile verbinden, hier stehen Ventile und Pfeifen.“ 

Blick ins Herz der Orgel, die Windlade. Fotos: Ruth Lehnen

Simon will, dass ich den Wind in Aktion erlebe; er nimmt das Brett von der Windlade, und erlaubt einen kurzen Einblick ins Orgelherz. Es faucht, der Wind bläst uns ins Gesicht. Da ist Kraft dahinter. 

Jede Pfeife hat ihren eigenen Windbedarf und bekommt durch das kunstvolle Innenleben der Windlade, was sie braucht. Die großen und unbescheidenen Windverbraucher nennen die Orgelbauer Säufer, aber auch diese behalten den Wind, das himmlische Kind, niemals für sich. Mit dem Ton schwingt auch der Wind hinaus in den Kirchenraum.

 

12. November 2016

Pfarrer Jung zitiert Psalm 150

Pfarrer Jung an der neuen Orgel
Ulrich Jung bei der Orgel. Foto: Ruth Lehnen

Pfarrer Ulrich Jung hat seine Meinung geändert. Am Anfang gehörte er auch zu denen, die sich gefragt haben, warum es eine neue Orgel geben soll: „Das klingt doch sehr gut, was Herr Schneider spielt!“ Der Pfarrer hat eine schöne Stimme und singt gern, aber ein Instrument spielt er nicht. Nichts läge ihm ferner, als sich durch Orgel- oder andere Bauten ein Denkmal schaffen zu wollen. Aber irgendwann hat ihn „so berührt und bewegt“, wie die Leute vom Orgelbauverein sich für ihr Ziel eingesetzt haben. Und da ist er in den Orgelbauverein eingetreten, obwohl er sonst in keinem Verein ist. Diese Entscheidung war auch ein Vertrauensbeweis für Chorleiter und Organist Schneider, den er einen „Glücksfall für die Gemeinde“ nennt. 

Hin und wieder, selten, kommt es auch in St. Marien vor, dass die Orgel schweigt, weil kein Organist gefunden werden konnte. Das sei dann schon traurig, meint Jung. Er findet, dass Orgelmusik die Stimmung hebt und Freude macht, aber das ist für ihn nicht das Wichtigste. Die Königin Orgel ist für ihn eine Dienerin der Liturgie, des Gottesdiensts. Sie dient dem Gesang der Gläubigen und dem Lob Gottes. 

In  einer Predigt über die Kirchenmusik und die Bedeutung der Orgel hat Pfarrer Jung den Psalm 150 „fast wörtlich“ aus der Bibel zitiert: „Lobt Gott mit dem Schall der Hörner, lobt ihn mit Harfe und Zither! Lobt ihn mit Pauken und Tanz,/ lobt ihn mit Flöten und Saitenspiel! Lobt ihn mit hellen Zimbeln, lobt ihn mit klingenden Zimbeln, lobt ihn mit der neuen Orgel von St. Franziskus! Alles, was atmet, lobe den Herrn! Halleluja!“

 

11. November 2016 St. Martin

Der Pfeifenmann

Heute am Martinstag hat die Orgel Besuch bekommen. Ein Weckmann kam vorbei; kein Wunder, dass seine Pfeife etwas anders aussieht als die übliche...

 

Die Liste

Der halbe Wald und...Woraus die neue Orgel besteht. Wenn man es so sehen will. Materialliste für Materialisten und andere Interessierte:

Pedale
Blick auf die Pedale (Eichenholz). Foto: Ruth Lehnen

Eiche, Kiefer, Esche, Fichte,Tanne, Zeder, Weißbuche, Ebenholz; Zinn, Blei, Zink, Eisen, Messing, Edelstahl, Kupfer, Bronze; Lacke, Farben, Leinöl, Beizen, Wachse, Alkohol, Spiritus; Schafleder, Rindleder, Ziegenleder, Spaltleder, Bein, Gasometerleder, Gummituch, Viledon, Liegelind, Filz, Druckstoff, Papier, Karton, Pappe, Seil, Leime, Knochenleim, Spezialkleber; Nägel, Schrauben, Dübel, Beschlag, Schlösser, Riegel, Ösen, Stifte, Achsen, Kugellager, Buchsen 

 

10. November 2016

Die Sache mit dem Blei

Metallene Orgelpfeifen bestehen aus einer Mischung aus Zinn und Blei. Mich interessiert, ob es nicht gefährlich ist, ständig mit Blei zu arbeiten. Am Schmelztiegel der Pfeifenmacher müssen die Mitarbeiter Schutzanzüge und Atemgerät tragen.

Zusammensetzen einer Pfeife
Eine Prospektpfeife wird zusammengesetzt. Foto: Detlef Jann

Detlef Jann von der Firma Orguian im Norden Portugals, der die neuen Pfeifen für die Lerchenberger Orgel geliefert hat, sagt: „Meiner Meinung nach wird die Gefahr durch Blei überschätzt. Mein Vater hat seit seinem 14. Lebensjahr, und er ist jetzt 82 Jahre alt, mit Orgelpfeifen zu tun gehabt. Er hatte nie Krankheiten, die auf den Umgang mit bleihaltigen Pfeifen zurückzuführen gewesen wären." Trotzdem hat Orguian vor sechs Jahren alle Mitarbeiter untersuchen lassen. Es wurden keine Auffälligkeiten gefunden. Die Menschen, die mit Orgelpfeifen arbeiten, fürchten allerdings den so genannten Bleizucker, der manchmal bei oxidierenden historischen Orgelpfeifen auftritt: „Hier müssen wir besonders aufpassen, wenn wir Orgelpfeifen zur Restaurierung zugeschickt bekommen,“ sagt Detlef Jann. Bleizucker ist ein weißes, süß schmeckendes, wasserlösliches Pulver, das sich bildet, wenn Blei „rostet“. Es ist sehr giftig.

Danke an Wolfgang Klesse.

Für alle mit Interesse+ hier mehr zum Bau der Metallpfeifen: Die Metallplatten zur Pfeifenherstellung bestehen aus einer Zinn-Bleilegierung. Die Platten werden gegossen in einer Stärke von 2,5 bis 3 Millimeter, und, wie Detlef Jann von Orguian berichtet, „auf einer großen Trommel auf die endgültige Stärke gehobelt und poliert“. Danach werden Pfeifenkörper und Pfeifenfuß zugeschnitten, der Zuschnitt wird verlötet. Für diesen Vorgang bekommen die Pfeifen eine Art Schutzanzug aus Eisenoxid, Dextrin und Talkum: Durch diese Schutzfarbe wird verhindert, dass beim Löten Löcher ins Material gebrannt werden. Sind Körper und Fuß verbunden, muss das Metallstück gerundet  („rundiert“) werden. Danach wird auf den Fuß eine Platte aufgelötet, der so genannte Kern. Hier strömt später das Windband durch einen schmalen Schlitz, bricht sich an einer Kante (Oberlabium) und erzeugt damit Luftverwirblungen, die den Ton entstehen lassen. Wenn Fuß und Körper verlötet sind, ist die Pfeife fertig, aber noch stumm.

9. November 2016

Post aus Portugal 

Detlef Jann von Orguian
Detlef Jann von der Firma Orguian Foto: Paulo Jorge Magalhaes

Die Orgelpfeifen der neuen Königin haben einen weiten Weg zurückgelegt: Sie sind im Lastwagen aus Portugal gekommen. Die Firma Fasen bezieht ihre Orgelpfeifen von der Firma Orguian, die der deutsche Orgelbauer Georg Jann vor 20 Jahren im Norden Portugals gegründet hat. Mittlerweile ist sein Sohn Detlef Jann (60) Geschäftsführer. Und warum Portugal? Weil dort die Lohnkosten niedriger sind – Globalisierung in Sachen Orgelpfeifen. 

Orgelbaumeister Hubert Fasen kontaktiert seinen Geschäftspartner meist per E-Mail. Er schickt detaillierte Auftragslisten, ich schicke Fragen nach Avidos. Und gleich kommt Post aus Portugal: Darin berichtet Detlef Jann, dass seine Firma momentan 24 Mitarbeiter hat. Er, seine Frau und der Intonateur sind Deutsche, die anderen 21 Mitarbeiter sind Portugiesen. 

Jann schreibt, dass er zum Elektrotechniker für Datenverarbeitung ausgebildet wurde und dass sein Traumberuf Tontechniker war: „Musik und Technik war für mich eine ideale Kombination.“ Leider kam etwas dazwischen: In seiner Bundeswehrzeit erlitt er einen Gehörschaden. So übt er zwar nicht seinen Traumberuf aus, hat aber mittlerweile viel Leidenschaft für die Produktion von Orgelpfeifen entwickelt: „experimentieren, optimieren, ausprobieren und umsetzen“. Vor allem reizt es ihn, wenn Orguian Pfeifen bauen soll, die die Firma nie zuvor gebaut hat. Ein im wahrsten Sinne des Wortes großer Auftrag waren die Orgelpfeifen für die Hamburger Elbphilharmonie. Unter anderem lieferte Orguian eine 8,75 Meter hohe Pfeife, das tiefe C.  

8. November 2016

Wir müssen über Geld reden, Herr Lenhard

 

 

Klaus Lenhard
Klaus Lenhard mit der Kirche St. Franziskus,
gemalt von Inge Lüthje. Foto: Ruth Lehnen
 

Zu Besuch bei Klaus Lenhard (80). Der Jurist ist Vorsitzender des Orgelbauvereins St. Franziskus, der 2009 gegründet wurde. Er war von 1999 bis 2007 Umweltbeauftragter des Bistums Mainz. 

Frage: Herr Lenhard, wir müssen über Geld reden. Wann haben Sie zuletzt 305 000 Euro ausgegeben?

Klaus Lenhard: Für mich… noch nie. Das Haus, in dem wir hier sitzen, hat 1989 etwas weniger als die Hälfte dieses Betrags gekostet.

Werden Sie nach der Orgelweihe mit einem Koffer voller Geld in die Eifel fahren, um Orgelbauer Fasen zu bezahlen?

Nein, das meiste Geld ist schon geflossen. Insgesamt gibt es vier Raten, die letzte wird nach der Abnahme, einige Zeit nach der Fertigstellung, fällig.

Wie kann man so viel Geld für ein Instrument ausgeben?

Es gibt immer zwei Argumente gegen eine neue Orgel, so auch bei uns. Das erste ist: Es gibt so viel Armut in der Welt, und die Kirche sollte sich ihrer sozialen Verpflichtung stellen. Sie sollte ihr Geld für die Armen  ausgeben. Das zweite ist: Was wollt Ihr denn, sie  – die alte Orgel – spielt doch noch.

Beide Argumente sind ja einleuchtend. 

Nicht wirklich. Alle Investitionen, die wir tätigen, dienen dazu, die Gemeinde zusammenzuhalten und zu stärken. Damit sie auch in Zukunft gerüstet ist, ihren Aufgaben, auch ihren sozialen Aufgaben, nachzukommen.

Das heißt, die schöne neue Orgel macht aus uns bessere Christen?

Vielleicht. Die evangelischen Christen nennen ja Johann Sebastian Bach den fünften Evangelisten. Seine Musik verkündet die frohe Botschaft.

Vor allem aber ist die Ausgabe für die Orgel gerecht und gerechtfertigt. Es gibt keinen Rückgang der Spenden etwa für kirchliche Hilfswerke wie Misereor oder missio in der Gemeinde. Die Menschen sehen: Das ist ein Stück weit für uns, und sie sind bereit, dafür etwas zu geben. Für die Pfarrei ist die Anschaffung der Orgel dank dem Orgelbauverein weitgehend kostenneutral, alles andere könnten wir auch nicht verantworten.

Sie machen der Gemeinde ein Geschenk?

Ja, so könnte man es nennen. Da aber fast alle der etwa 50 Mitglieder des Vereins Mitglieder der Gemeinde sind, macht ein Teil der Gemeinde der Gemeinde ein Geschenk.

Sie selbst sind 80 Jahre alt, und viele Mitglieder des Orgelbauvereins haben ein hohes Alter. 

Die Alten haben einfach mehr Geld, und es ist auch absolut richtig, dass die Älteren das bezahlen. Die Jüngeren müssen ihre Kinder versorgen, sich um Wohnungen oder Häuser kümmern.

Haben Sie bei der Gründung des Vereins gedacht, dass Sie die neue Orgel noch hören würden?

Nein, das hätte ich mir nie träumen lassen.

Orgelbauvereinbroschüre
Ein Flyer des Orgelbauvereins

Was waren die schönsten Momente beim Spendensammeln?

Es gab drei Erlebnisse, über die ich gejubelt habe: Das erste war, als ein Gemeindemitglied, das nicht zu den Reichsten gehörte, uns völlig unerwartet 10 000 Euro gegeben hat. Der zweite große Glücksmoment kam, als ein Gemeindemitglied, dessen Name geheim bleiben muss, ein zinsloses Darlehen von 100 000 Euro angeboten hat. Und gejubelt haben wir auch, nachdem wir im vergangenen Jahr bei Dietmar Giebelmann waren, damals noch Generalvikar. Nach diesem Besuch wussten wir, wir können anfangen.

Ist Gott glücklicher, wenn die Orgel spielt?

Da können Sie gleich fragen: Braucht Gott es überhaupt, dass wir ihn loben? Ich denke, die Orgel hat in den westlichen Ländern eine große Tradition, sie ist hier einer der Wege zu Gott. Beten kann man auch allein, aber Orgelspiel hat nur Sinn, wenn die Gemeinde mit der Orgel singt.

Was bedeutet für Sie die Orgelweihe?

Damit findet unsere wunderbare Kirche, die Karl Lehmann als Bischof 1984 eingeweiht hat, nach mehr als 30 Jahren ihre Vollendung. Für mich geht ein Traum in Erfüllung.

 

7. November 2016

Julian Ohler und die Zukunftsmusik

 

 

 

 

Julian an der neuen Orgel
Julian hat schonmal am Spieltisch Platz genommen. 
Foto: Ruth Lehnen

Julian Ohler ist Messdiener in der Gemeinde St. Marien. Vor kurzem hat er viele überrascht, als er nach dem Gottesdienst auf einmal Orgel spielte. Doch einige wussten es schon länger: Der Schüler, der seit seinem fünften Lebensjahr Klavier spielt, macht die D-Ausbildung am Institut für Kirchenmusik des Bistums Mainz, er hat jede Woche Orgelunterricht bei Krystian Skoczowski. Das Orgelspielen liegt bei Julian in der Familie: Julians Großvater Erwin Steilen ist Organist, und auch Julians Vater Robert spielt Orgel, auf der elektrischen Orgel zuhause. 

Beim „Schlachtfest“ des Orgelbauvereins hat Julian einen starken Auftritt hingelegt: Der 14-Jährige spielte am Klavier die Mondscheinsonate von Ludwig van Beethoven; erst ganz klassisch, und legte dann los mit einer Improvisation. Das staunende Publikum bekam mit, was Julians Klavierlehrerin Marketa Bolender immer schon gewusst hat: Er ist ein Musikbegeisterter.

Im Sommer hat er sich nicht mal von einem gebrochenen Arm von einem Klaviervorspiel abhalten lassen… die Finger arbeiteten ja noch. Es kommt aber vor, dass selbst Julian keine Lust zum Üben hat: „Manchmal muss man sich auch zusammenreißen.“ Die neue Orgel in St. Franziskus zu spielen, ist für Julian noch Zukunftsmusik. Aber er weiß schon: „Je größer die Orgel, umso mehr kann man aus ihr herausholen.“

 

6. November 2016

Gedränge auf der Orgelempore

Baustellenführung
Viel Interesse am Fortgang der Arbeiten. Foto: Ruth Lehnen

Gedränge auf der Orgelempore: Bei der Baustellenführung ist jetzt einmal von nah zu sehen, wie die neue Königin sich so macht. Organist Joachim Schneider erläutert das Gewicht der Dame: Mehr als drei Tonnen bringt sie auf die Waage. Besorgte können beruhigt werden: Statiker haben berechnet, dass die Empore das aushält... Immerhin wiegt die Orgel so viel wie, Verzeihung, ein weiblicher afrikanischer Elefant.

Die Orgelpfeifen sind in Gruppen eingeteilt, die so genannten Werke. Hauptwerk und Schwellwerk erklingen, wenn die Hände die Tasten bedienen (Manuale von lateinisch manus – Hand). Das Pedalwerk erklingt, wie der Name schon sagt, wenn mit den Füßen gespielt wird (Pedal von lateinisch pes – Fuß). Viel Interesse finden bei den Zuhörern die mechanischen Verbindungen zwischen den Tasten und den Ventilen der Pfeifen: "Unglaublich, wie die Orgelbauer das machen!" Dann kommt der schöne Satz: "Ich mache mal den Wind an!", der Joachim Schneider ganz flüssig über die Lippen geht. Er meint die Luftzufuhr, ohne die kein Ton erklingen könnte. Zu hören ist ein Zwischending zwischen Rauschen und Brummen – wie eine Lüftung. Wie die Orgel atmet, ist ein eigenes Thema, über das Sie demnächst hier im Blog mehr erfahren. Nur so viel: Später wird dieses Geräusch kaum mehr zu hören sein.

Der Organist lässt die Konzertflöte aus dem Hauptwerk erklingen: "eine weiche, offene Flöte", und die Gambe aus dem Schwellwerk. Andächtig wird zugehört. Dann lernen wir noch etwas ganz Entscheidendes: "Es muss ja nicht hier oben gut klingen, sondern da unten!" So werden wir Zuhörer daran erinnert, dass die Organisten nicht nur ihrer Königin dienen, sondern uns allen, die "da unten" beten und singen.

 

5. November 2016

Wie die Himmelsstimme himmlisch wird

Ich darf dabei sein, als die "Vox coelestis", die Himmelsstimme, intoniert wird. Das ist ein Register, das für schwebende, sphärische Klänge verwendet wird. Was aber genau ist Intonation? Jedenfalls eine hohe Kunst, und eine, die ein gutes Gehör und sehr viel Geduld erfordert.

Intonation – Geduldsarbeit
Intonation ist Geduldsarbeit: links Hubert Fasen, rechts Reiner Simon

Reiner Simon und Hubert Fasen nehmen die Metallpfeifen der „Himmelsstimme“ aus ihren Plastikhüllen und setzen sie an ihren Platz. Jede Pfeife kommt auf ihrem hölzernen Bänkchen genau da zu stehen, wo Schreiner Meinrad Bohn ihr ihren Platz vorbereitet hat. Jetzt spielt Kirchenmusiker und Intonateur Reiner Simon den Ton. „Zu leise!“ lautet zum Beispiel sein Urteil. Daraufhin nimmt Orgelbaumeister Hubert Fasen die Pfeife von ihrem Platz und verändert sie: Mit einem kleinen Messerchen kann er die Öffnung an der Spitze der Pfeife vergrößern, dann klingt sie lauter. Heißt es „Zu laut!“, hämmert er ein wenig, damit die Öffnung kleiner wird: leiser. Es geht aber längst nicht nur um laut und leise. Ein ungeübtes Ohr – meins – hört die Details nicht. Fasen arbeitet nicht nur an den Spitzen der Pfeifen: Immer wieder verändert er mit seinem Werkzeug etwas am Mund der Orgelpfeife, dort, wo mit dem Wind (wie die Orgelfachleute die durchströmende Luft nennen) der Ton entsteht.

Hubert Fasen arbeitet am Mund einer Pfeife Fotos: Ruth Lehnen

Die Intonation ist für die Ohren eines Laien nicht gerade eine Wohltat. Simon scheint auf den Tönen herumzureiten, schickt sie durch ein Jammertal, bevor sie himmlisch klingen dürfen. Das dauert. Aber es muss so sein. Bei der Intonation geht es darum, Lautstärke, Charakter und Ansprache jeder einzelnen Pfeife so abzustimmen, dass sie mit allen anderen verschmelzen kann und alle zusammen den Raum erfüllen.

Die neue Orgel von St. Franziskus hat insgesamt 1357 Pfeifen. Manche davon hat Orgelbauer Fasen hunderte Male in der Hand, bevor alles stimmt. „Reiner Simon hört alles,“ sagt Fasen: „Ich tue, was er sagt.“ Das ist natürlich Understatement, denn auch Fasen hat ein feines Gehör. Der Musikalität von Reiner Simon und der Handwerkskunst von Hubert Fasen ist zu verdanken, wenn am Schluss alles so klingt, wie es soll.

4. November 2016

Eine Baustellenführung mit dem Orgel-Blog

Organist und Chorleiter Joachim Schneider
Joachim Schneider erläutert die Fortschritte der "Königin". Foto: Ruth Lehnen

Joachim Schneider, Organist und Chorleiter der Gemeinde
St. Marien, unterstützt den Orgel-Blog "Countdown für die Königin". Für Leser des Blogs und alle Interessierten bietet er am kommenden Sonntag,
6. November, nach der 9-Uhr-Messe eine Baustellen-Führung an. Gegen 10 Uhr in der Kirche
St. Franziskus, Rubensallee 1-5, 55127 Mainz-Lerchenberg. 

Sehen und hören Sie "in echt", worüber Sie bisher nur gelesen haben, und erleben Sie den Organisten und die Bloggerin bei der Arbeit! Herzliche Einladung!

 

3. November 2016

Ein Orgelsachverständiger auf der Zielgeraden

Orgelsachverständiger Manfred Wittelsberger
"Die Orgel ist auf gutem Weg", sagt Manfred Wittelsberger.

Manfred Wittelsberger schaut fast jeden Tag mal rein. Er will wissen, was die Orgel macht, wie ihr Aufbau vorangeht. Manfred Wittelsberger ist Musikwissenschaftler und Orgelfachmann. Und Regisseur beim ZDF, dort unter anderem zuständig für die Übertragung von Gottesdiensten. Und er ist Orgelsachverständiger des Bistums Mainz. Er wohnt in der Gemeinde St. Marien, zu der Mainz-Lerchenberg und Mainz-Drais gehören, und spielt selbst Orgel.

Als einer von vier Orgelsachverständigen im Bistum Mainz hat er schon viele Orgelprojekte begleitet, auch so bedeutende wie die Klais-Orgel der „Chagall-Kirche“ St. Stephan in Mainz. Aber noch nie war er er so hautnah beim Einbau einer Orgel dabei wie in seiner eigenen Gemeinde. Und ihm gefällt, was er sieht, hört und jeden Tag dazulernt: „Die Orgel ist optisch, klanglich und technisch auf gutem Weg.“ 

Nicht nur die neue Orgel ist auf der Zielgeraden, auch Manfred Wittelsberger mit diesem Projekt, mit dem er sich seit 14 Jahren immer wieder beschäftigt. Als klar wurde, dass es eine neue Orgel für St. Franziskus geben würde, stand ganz am Anfang die Planung. Da jede Orgel anders ist, musste entschieden werden: Welche Größe passt zum Raum? Welchen Charakter soll das Instrument haben? Hier war vor allem die Entscheidung für ein Schwellwerk wichtig. Wittelsberger erklärt: „Sie können auf beinahe jeder Orgel Bach spielen, aber für die romantischen Orgelwerke brauchen Sie ein Schwellwerk.“ (Was ein Schwellwerk ist, steht am Ende dieses Beitrags erklärt.)

Die neue Orgel erlaubt aber auch moderne zeitgenössische Experimente: „Da wird man sich wundern“, verspricht der Orgelfachmann. Nicht zu unterschätzen bei den ersten Überlegungen ist auch der finanzielle Aspekt: Was kann die Gemeinde stemmen? 

Wem die Orgel gehört

Auf der Orgelbaustelle
Ein Blick auf die Baustelle. Fotos: Ruth Lehnen

Gibt es die erste Planung, empfiehlt der Orgelsachverständige bis zu fünf Firmen, bei denen Angebote eingeholt werden. Dann werden Termine gemacht, die Orgelbauer schauen sich den Raum an, entwerfen. Jeder Schritt wird immer wieder neu abgestimmt. Auch die äußere Gestaltung spielt eine große Rolle: Welche Farben und Formen sollen es sein? Am Ende muss nicht nur der Orgelbauverein, der Orgelsachverständige, der Organist überzeugt sein, auch der Pfarrer und die Gremien müssen zustimmen. Denn die Orgel gehört ja nicht dem Orgelbauverein, sondern der Gemeinde: Pfarrer Ulrich Jung und der stellvertretende Verwaltungsratsvorsitzende Josef Hay haben den Vertrag unterzeichnet.

„Die allerletzte Entscheidung ist immer eine Bauchentscheidung“, sagt Manfred Wittelsberger. Und offenbar war es hier die richtige. Der Orgelsachverständige lobt Hubert Fasen und sein Team in den höchsten Tönen: „Die leben ihr Projekt, die leben ihr Produkt.“

Der Familienvater aus Drais freut sich auf die Orgelweihe und auf die Zeit danach, denn dann will er auch selbst einmal die neue Königin zum Klingen bringen.

Bei einem Schwellwerk handelt sich um Register (Pfeifenreihen), die in einem geschlossenen Gehäuse stehen, das auf drei Seiten mit beweglichen Jalousien versehen ist. Wenn die Öffnung der Jalousien über einen Fußtritt am Spieltisch verändert wird, ergibt sich das für die romantischen Stücke nötige An- und Abschwellen der Lautstärke, ein Lauter- und Leiserwerden des Klangs.

 

2. November 2016

Orgelfantasie

Und noch eine Erinnerung an die alte Königin: Am 6. Juli 1998 besuchte Grundschullehrerin Uta Keßling mit ihrer Klasse die Orgel. Gert Augst, Organist der Gemeinde, stellte den Kindern das Instrument vor und spielte für sie.

Gert Augst, der im Jahr 2005 gestorben ist, war als Mainzer Diözesankirchenmusikdirektor Vorgänger von Thomas Drescher. Augst hat auch den Kirchenchor von St. Franziskus gegründet. "Lieber Herr Augst, mir hat Ihre Musik gefallen! Aber ich verstehe immer noch nicht, wie Sie alle Tasten auswendig wissen", schrieb eins der Kinder nach dem Orgelerlebnis. Auf Anregung von Uta Keßling hielten die Grundschüler ihre Eindrücke auf Postkartengröße fest. Diese Karten hat die Lehrerin 18 Jahre lang aufbewahrt und jetzt wiedergefunden.

Kinderbild 2

KInderbild 3

KInderbild 4

1. November 2016 Allerheiligen

Vom Orgeltod

„Das ist ein heikles Thema, lassen Sie das mal lieber weg!“ Nein, es muss sein. Jeder weiß: Wenn die neue Königin kommt, muss die alte abtreten. Was nicht immer einfach ist. Die alte Königin in St. Franziskus war eine Orgel der Firma Hofbauer, die seit 1984 ihren Dienst getan hat. Mit vielen anderen hatte sich das mittlerweile verstorbene Gemeindemitglied Fritz Pohnert für diese Orgel engagiert. Beim Bau hatte er seinerzeit Menschen mit Behinderungen einbezogen, damals eine höchst ungewöhnliche Idee.

alte und neue Pfeifen vereint
Alte und neue Pfeifen vereint, im Vordergrund Holzpfeifen aus Mahagoni
 

Diese Orgel existiert nun nicht mehr, aber sie ist noch da. Wie ist das möglich? Die Orgel wurde abgebaut, um der neuen Königin Platz zu machen. Doch Orgeln sterben nicht so leicht. Sehr häufig werden Pfeifen einer alten Orgel in die neue aufgenommen, so auch in diesem Fall. Acht Register (Pfeifenreihen) stammen aus der alten Orgel. Wer das Privileg hat, oben im Gehäuse den Fortschritt der Arbeiten zu sehen – langsam füllt sich alles mit Orgelpfeifen – sieht die alten Pfeifen, zum Beispiel die Holzpfeifen aus Mahagoni. Das dunkle Tropenholz wird von der Firma Fasen für neue Pfeifen nicht verwendet. Viele der von der alten Orgel übernommenen Pfeifen wurden „gerückt“, wie die Orgelbauer sagen: Das heißt, sie werden abgeschnitten und klingen dann mehrere Töne höher. Zudem haben sie durch den anderen Durchmesser mehr Tonfülle. 

Das ist auch eine Kostenfrage: Warum neu bauen, was man noch gebrauchen kann? Auch fast alle der anderen alten Orgelteile werden bei der Firma Fasen mit Sorgfalt verwahrt und warten dort auf ein neues Leben. Zum Beispiel der Blasebalg. „Ganz wunderbar geeignet für eine Hausorgel“, sagt Schreiner Meinrad Bohn. Hier kommt nichts weg.

Lore Pohnert
Lore Pohnert hat sich seinerzeit sehr für die erste Orgel der Kirche engagiert.
Fotos: Ruth Lehnen

Das ist tröstlich für Lore Pohnert, die Witwe von Fritz Pohnert. Klar, dass sie traurig war, als die Entscheidung für eine neue Orgel für St. Franziskus fiel. Weil sie so eng mit dem alten Instrument verbunden war. Beeindruckend ist, dass die 76-Jährige dabei nicht stehengeblieben ist, sondern heute sogar zu Veranstaltungen des Orgelbauvereins kommt: „Es hat gedauert, aber ich bin versöhnt“, sagt sie. Am 4. Dezember, wenn die neue Orgel geweiht wird, wird Lore Pohnert wie so oft an ihren Mann denken. Sie wird die alten Pfeifen nicht heraushören können. Aber sie weiß, sie sind da.

Und was kann so eine Orgel wirklich töten? Zwei Feinde hat sie, sagt Orgelbaumeister Hubert Fasen: Feuer und Wasser. Einen Brand oder einen schweren Wasserschaden überleben selbst diese widerstandsfähigen Instrumente nicht.

Die Auflösung des gestrigen Rätsels heißt natürlich „Orgel" und auch Petrus sieht die Orgel, von deren Inneren aus das Kirchenfenster fotografiert ist. 

31. Oktober 2016

Heute ein Rätsel, nicht schwierig

KIrchenfenster "Petrus" in St. Franziskus
Was sieht Petrus? Kirchenfenster von Georg Meistermann in St. Franziskus 
Foto: Ruth Lehnen

Die Kirche ist mein Aufenthalt

Hier wohn' ich, ohne es zu wissen.

Doch, eh noch der Gesang erschallt,

Tritt man mich schon mit Füßen.

Ich schreye laut, doch red ich nicht,

Und gleichwohl kann man mich verstehen.

Ich lehre manchen seine Pflicht

Und kann nicht hören und nicht sehen.

Die Menschen gaben mir den Leib;

Der Wind gab mir das Leben.

Ich bin nicht Mann, ich bin nicht Weib,

doch kann ich beyden mich ergeben.

Johann Nicolaus Forkel (1778)

Mit Dank an Joachim Schneider, der das Rätsel aufgetan hat.

 

30. Oktober 2016

Menschen, die auf Bierflaschen musizieren, und eine Trompete, Tonart as 

Obermessdiener Andreas Schmitt
Er tut nur so friedlich: "Obermessdiener" Andreas Schmitt

Ja, ist denn schon der 11.11.? Eine Naturgewalt an der Arbeit erleben die im Pfarrheim Versammelten beim „Schlachtfest“ des Orgelbauvereins. Der aus dem Fernsehen bekannte „Obermessdiener“ Andreas Schmitt heizt den Lerchenbergern ein, dass ihnen Hören und Sehen vergeht. Schmitt, der Sitzungspräsident von „Mainz bleibt Mainz“, ist in Höchstform und teilt aus: Der „Depp vom Bosporus“ kriegt ebenso sein Fett weg wie „der Simpel aus der Pfalz": Donald Trump sei ja noch doller als Donald Duck! Die maximale Katastrophe droht für den Obermessdiener aber nicht an der politischen Front: „Ein Finther als Bischof, da werd’ ich evangelisch!“ Sein Hausgott ist und bleibt Kardinal Karl Lehmann: „Gesegnet war die Goldene Stadt, / die 33 Jahr so’n Bischof hatt’!“

Seine geschliffene Rede wird belohnt mit einer Pfeife: Klaus Lenhard vom Orgelbauverein ernennt den Obermessdiener zum Orgelpaten. Trompete, Tonart as für Andreas Schmitt, das passt.

Menschen, die auf Bierflaschen musizieren Fotos: Ruth Lehnen

Und während Schmitt schon längst einen weiteren Auftritt in Bingerbrück hinlegt, steht im Pfarrheim eine Mainzer Erstaufführung bevor. Ansgar Menze hat die Intonation der Instrumente übernommen, hochdifferenzierte Aerophone („Luftklinger“) kommen zum Einsatz bei einem Stück für Querflöte und  – Bierflaschen. Wer’s nicht gehört hat, glaubt es kaum, deshalb ein Beweisfoto.

Die Querflöte spielte Sophie Roth, die Bierflaschen setzten (von links ) Juliane Gutjahr, Isabella Hasse, Ansgar Menze und Joachim Schneider an den Mund.

 

Die Orgelschweinchen haben diesmal 1628,35 Euro auf die Waage gebracht. 

 

29. Oktober 2016

Keine armen Schweine

Sparschweine für den Orgelbauverein
Ihnen geht's heute an den Kragen: Orgelschweine Foto: Werner Busch

Was so ein Orgelbauverein sich alles einfallen lässt! Organist Joachim Schneider hatte die Idee: Jedes Jahr werden Sparschweine ausgegeben, die die Gemeindemitglieder mit nach Hause nehmen, um sie zu füttern. Mit Spenden für den Orgelbauverein. Und wie das bei Schweinen meist so ist, kommt irgendwann der Schlachttag. Heute ist es wieder so weit: Der Orgelbauverein lädt zum „Schlachtfest“, 100 Menschen sind angemeldet. Klaus Lenhard, Vorsitzender des Orgelbauvereins, verspricht „mehrere Programmpunkte zur Erheiterung der Gäste“. 

Es wird ein aus dem Fernsehen bekannter Mann erwartet … mehr dazu morgen. Aber so viel lässt sich schon verraten: Die Idee mit den Schweinen ist fett. Jedes Mal haben sie bis 3000 Euro eingebracht und so zu der stolzen Summe beigetragen, die der Orgelbauverein nach Lenhards Worten „zusammengekratzt“ hat: 195 000 Euro dank hilfreicher und großzügiger Spender. Insgesamt werden für die Orgel 305 000 Euro benötigt; und was hat der Verein nicht alles getan: Konzerte organisiert, Pfeifenpaten gesucht, Schweinchen gefüttert, Sonderkollekten durchgesetzt… Auch heute Abend wird Schnaps verkauft („Franziskuströpfchen“) und Marmelade unter die Leute gebracht. Kleinvieh macht auch Mist. Da haben die Orgel – und die Gemeinde – Schwein gehabt.

Der Orgelbauverein stellt sich vor: http://tinyurl.com/jcncxyo

 

28. Oktober 2016

Ein Wunsch frei

Die Orgelbauer haben mir eine große Freude gemacht. Orgelbaumeister Hubert Fasen hat gesagt, dass ich mir ein Lied wünschen darf. Das heißt, die Orgel, obschon noch nicht fertig, klingt schon und bringt Töne hervor. Und das heißt, ich darf jetzt keinen Fehler machen und mir etwas Falsches wünschen. Sehr gern mag ich den Liedruf „Christus Sieger, Christus König, Christus Herr in Ewigkeit“ (Gotteslob 560). Oder soll es ein anderes Lieblingslied sein: „Ich steh vor Dir mit leeren Händen, Herr“ (Gotteslob 422)?

"Nun danket all und bringet Ehr", Nummer 403 im Gotteslob Foto: Ruth Lehnen

So ernst aber doch lieber nicht, wenn die Orgel beinah zum ersten Mal ihre Stimme erhebt. Deshalb bitte ich um ein Lied, das mich seit meiner Kindheit begleitet. Unser Heimatpfarrer in Aachen empfahl es uns Kommunionkindern: „Wenn Ihr nur ein Lied auswendig könnt, nehmt das.“ Ich lernte es auswendig, kann es noch heute und finde es wunderschön: „Nun danket all und bringet Ehr“ (Gotteslob 403). Reiner Simon, Kirchenmusiker und Intonateur, erklärt, dass ich jetzt die Pfeifen hören werde, die die wichtigsten sind und auf der Schauseite der Orgel stehen; die Orgelbauer nennen diese Reihe von Orgelpfeifen Principal. Die größte dieser Pfeifen ist vier Meter hoch! Reiner Simon spielt für mich, und ich höre zum ersten Mal die Stimme der neuen Orgel. Sie ergreift mich und macht mich froh. Ich höre in ihrer Stimme Paul Gerhardts Dichtung, der Gott dankt und bittet: „Er gebe uns ein fröhlich Herz,/ erfrische Geist und Sinn/ und werf all Angst, Furcht, Sorg und Schmerz/ in Meerestiefen hin.“

 

27. Oktober 2016

Der Mann, der die Ruhe weg hat

Orgelbauer Hubert Fasen
Orgelbaumeister Hubert Fasen Foto: Ruth Lehnen

Darf ich vorstellen? Dies ist der derzeit wichtigste Mann in der Kirche St. Franziskus  (tut mir leid, lieber Pfarrer Ulrich Jung): der Orgelbauer Hubert Fasen.

Hubert Fasen (59) leitet als Orgelbaumeister einen Betrieb in Oberbettingen in der Eifel, den er 1994 gegründet hat. „Von der ersten Sekunde an, wenn ich eine Kirche betrete, habe ich eine Vorstellung“, sagt er. Die Mainz-Lerchenberger Kirche St. Franziskus, 1984 geweiht, fand er „sehr interessant und faszinierend; etwas düster, aber das ist bei gotischen Kathedralen ja auch so.“ Seit mehreren Jahren beschäftigen sich Hubert Fasen und seine sieben Mitarbeiter mit der neuen Orgel von St. Franziskus.

Der Firmenchef  braucht in seinem Beruf nicht nur Erfahrung, handwerkliches Geschick, ein gutes Gehör, er braucht auch viel kommunikatives Talent. Bis so eine Orgel fertig werden kann, führt Fasen sehr viele Gespräche: Mit Gemeindemitgliedern, Pfarrern, Organisten, den Vertretern von Orgelbauvereinen, mit Sachverständigen, mit der Denkmalpflege. Er braucht gute Nerven. Oder wie der Schreiner Meinrad Bohn sagt: „Der Chef hat die Ruhe weg.“  

Die Firma Fasen ist auch Spezialistin für die Restaurierung historischer Instrumente. Hubert Fasen hat eine der ältesten spielbaren Orgeln in Rheinland Pfalz rekonstruiert, ihr gehört seine besondere Liebe. Diese 300 Jahre alte Königin steht in St. Leodegar in Niederehe. Hubert Fasen bewundert die Verfahrenstechniken der alten Meister, die dafür sorgten, dass ihr Werk die Jahrhunderte überdauerte. 

Natürlich spielt der Orgelbauer auch selbst Orgel, „hobbymäßig“. Er hat „eine Hausorgel, die nie genutzt wird“. Weil der Meister viel zu viel arbeiten muss. 

Was Hubert Fasen in St. Franziskus genau macht, darüber demnächst mehr in diesem Blog.

www.orgelbau-fasen.de

 

26. Oktober 2016

Was argentinische Rinder mit der neuen Orgel zu tun haben

Organist Joachim Schneider am neuen Spieltisch Fotos: Ruth Lehnen

Joachim Schneiders neuer Tisch ist da: der Orgeltisch. Natürlich ist es nicht sein Tisch, sondern der der Gemeinde St. Marien. Da aber Joachim Schneider meist derjenige ist, der die Orgel spielt, ist es doch irgendwie sein Tisch.

„Das fühlt sich gut an“, sagt der Organist und lässt die Finger über die Tasten gleiten. „Probieren Sie mal!“ Das Gefühl, die Tasten zu drücken, ist ganz verschieden: Die oberen Tasten sind noch nicht mit der Orgel verbunden und lassen sich leicht und ohne Widerstand drücken. Die unteren Tasten hat Schreiner Meinrad Bohn schon mit der Orgel verbunden, hier brauchen die Finger mehr Kraft. Wie schwer oder leichtgängig der Anschlag ist, davon hängt viel ab. „Mit der Art des Tastendrucks kann man beeinflussen, wie die Pfeifen ansprechen,“ sagt Schneider.

Die Verbindung zu den Tasten wird unter anderem über die so genannten Abstrakten hergestellt: Das sind sehr schmale, nur einen Millimeter dicke Zedernholzstreifen, die vom Orgeltisch zu den Ventilen unter den Pfeifen geführt werden.

Meinrad Bohn baut die Zedernleisten ein.

Die Zahl der Abstrakten entspricht der Zahl der vorhandenen Tasten: 112 werden von Hand bedient (Manual), 30 mit den Füßen (Pedal). Konkret heißt das, dass Meinrad Bohn gerade dabei ist, 142 der langen Zedernholzstreifen zu montieren; insgesamt werden in die Orgel 600 Meter Zedernleisten eingebaut. Zur Zeit sieht das aus wie ein feines Streifenmuster unterm Tisch.

Eine Orgel ist übrigens, modern gesprochen, nicht vegan: Die schwarzen Tasten sind aus Ebenholz, aber die weißen sind aus Knochen. Nachdem keiner mehr Elfenbein verwendet, stammen diese Teile von den Knochen argentinischer Rinder.

Eine kleine Besonderheit beim neuen Spieltisch ist die Ausrichtung: Der Spieltisch steht nicht mit der Blickrichtung zu den Orgelpfeifen, sondern so, dass Joachim Schneider seinen Chor auf der Empore im Blick hat und gleichzeitig verfolgen kann, was am Altar passiert. Demnächst muss er sich beim Dirigieren nicht mehr ständig umdrehen; und einen Rückspiegel, wie man ihn an vielen Orgeln sieht, braucht er auch nicht.

 

24. Oktober 2016

Gerade erst getauft und selbst schon Pate

 

Juliane Gutjahr mit laurin
Laurin, der Orgelpate, mit seiner Mutter Juliane   Foto: Ruth Lehnen

Am Wochenende wurde er getauft, jetzt ist er selbst schon Pate: Laurin Amadeus Gutjahr ist der mutmaßlich jüngste Orgelpate für die neue Orgel von St. Franziskus; er ist erst ein Jahr und zwei Monate alt.

Laurin ist das Kind zweier Musikbegeisterter. Vater Ansgar Menze ist Musikwissenschaftler und spielt unter anderem Cello, Klavier und Saxophon. Mutter Juliane ist Musiklehrerin, singt und spielt Flöte.

Die Orgelpatenschaft für Laurin war ein Patengeschenk: Taufpatin Jutta Koy kam auf die Idee, dem kleinen Laurin eine Orgelpatenschaft zur Taufe zu schenken.

Laurin ist der Pate einer ganz bestimmten Orgelpfeife, und die wurde so ausgesucht: Weil er das dritte Kind und damit der Fünfte der Familie ist,  wählten die Gutjahrs eine Pfeife aus dem Register Quinte. Quintus heißt auf Lateinisch „der Fünfte“. Und weil das „a“ sowohl im ersten Namen Laurin wie im zweiten Amadeus vorkommt, musste es der Ton „a“ sein. „Wir sind vom Text ausgegangen, nicht vom Klang“, erklärt Juliane Gutjahr – wie Laurins Pfeife genau klingt, weiß sie noch nicht, weil diese Pfeife noch nicht eingebaut ist. 

Bei allen fünf Gutjahrs wächst die Vorfreude auf die neue Königin in St. Franziskus jeden Tag. Ansgar und Juliane Gutjahr haben schon ein Benefizkonzert für den Orgelbauverein gespielt. Juliane Gutjahr: „Als Musikerfamilie erfreuen wir uns an der Orgel und werden jede Gelegenheit nutzen, mit dem neuen Instrument Musik zu machen!“

Orgelpatenschaft: Die weit verbreitete Idee zum Spendensammeln geht so: Alle Orgelpfeifen werden schematisch in einem Plan dargestellt. Von den größten (1000 Euro) bis zur den kleineren (50 Euro) wird jeder Pfeife ein Geldbetrag zugeordnet. Wer diesen Betrag für eine bestimmte Pfeife spendet, ist der Orgelpate genau dieser Pfeife. 

 

 


Meinrad Bohn ist Schreiner und baut Orgeln. Foto: Ruth Lehnen

Wo andere beten, baut er. Foto: Ruth Lehnen

23. Oktober 2016

Der Schreiner, der Jesus war

Erster Besuch bei der Orgel. Eine Leiter führt hinauf in Innere des Instruments. Dort sitzt Schreiner Meinrad Bohn und arbeitet. Er hat nichts dagegen, wenn man ihm Fragen stellt. „Ich beiß’ ja nicht“, sagt er. Der Schreiner ist der „Jesus von Wallersheim“.

Hier geht's zur ganzen Geschichte.