07.09.2018

Melanie Wald-Fuhrmann liebt die Musik und das Gebet

Smart und fromm


Melanie Wald-Fuhrmann liebt die Musik. Als Professorin erforscht sie deren Wirkung auf Menschen. Beruflich ging der Weg der Überfliegerin immer nach oben, religiös gesehen war es der Tochter eines "echten Kommunisten" und einer lutherischen Mutter aus Schwerin nicht in die Wiege gelegt, katholisch zu werden. Von Ruth Lehnen


Melanie Wald-Fuhrmann Foto: Jörg Baumann/MPIEA
Professorin Melanie Wald-Fuhrmann Foto: Jörg Baumann/MPIEA

Als sie zwei Jahre alt war, nahm ihre Mutter sie zum ersten Mal mit ins Konzert. Mit vier Jahren in die Oper. Als junge Frau tanzte Melanie Wald-Fuhrmann Ballett, heute Rumba und Cha-Cha. Sie spielt gern vierhändig Klavier mit ihrem Mann und kann auch Orgelspielen. Griechisch und Latein stellen sie nicht vor Probleme, aber der Musik gehört ihre Liebe. Mit 39 Jahren ist die Musikwissenschaftlerin Melanie Wald-Fuhrmann da, wo sie als Überfliegerin hingehört: Die Professorin leitet die Abteilung Musik im Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik in Frankfurt am Main. Sie erklärt auch gleich, was sie da macht: Die Wirkungen von Musik erforschen. Das Geheimnis von Musik. Ihr beruflicher Weg war geradlinig und ging immer nach oben. Religiös gesehen war es der Tochter eines „echten Kommunisten“ und einer lutherischen Mutter aus Schwerin nicht in die Wiege gelegt, katholisch zu werden. Und sich gar in einem „Geistlichen Freundeskreis“ mit Kontemplation zu befassen und zum Beispiel den Rosenkranz zu beten. Der Glaubensweg von Melanie Wald-Fuhrmann führte um manche Kurven, aber im Nachhinein fühlt sie sich geführt.
Die Mutter hatte sie schon in der DDR an Ostern und Weihnachten mit in die Kirche genommen. Als junge Frau verstand Wald-Fuhrmann die Schönheit der Welt und der Natur als „positiven Gottesbeweis“: All dies Schöne, Richtige und Gute war für sie ohne einen personalen Schöpfergott nicht denkbar.

In Salzburg war es "so schön katholisch"

Sie ließ sich taufen und konfirmieren, als sie aber den katholischen Gottesdienst kennenlernte, fand sie dessen Liturgie überzeugender. Auch der ungebrochene Traditionsbezug der Katholiken gefiel ihr, die die Kirchenväter im Original gelesen hatte. Als es während des Studiums in Salzburg „so schön katholisch war“, konvertierte sie. Damals war sie überzeugt: Es gibt Gott. Aber sie wollte sich ihm nicht wirklich zumuten. Sonntags ging sie in die Kirche, aber das Glaubens- und das Berufsleben waren „getrennte Welten“.
Melanie Wald-Fuhrmann, schmal und schlank in ihrem großen Chefbüro, antwortet gern auf eine Frage, die sonst als Tabu gilt: „Beten Sie?“ – „Das ist so wichtig!“ ruft sie. Dem Beten verdanke sie ihre „zweite Bekehrung“. Dank guter geistlicher Begleitung und dank des Gebets überwand sie das Missverständnis „beten ist bitten“ und versucht jetzt, „in Gottes Gegenwart zu leben“. Auf die Gebote Gottes zu hören sei dann kein Muss, sondern Konsequenz dieser Beziehung zu Gott.
Sie findet, Glauben muss einen Unterschied machen, zum Beispiel den, eine gute Chefin zu sein. Sie bemüht sich darum, auf jeden im Team gleich gut zu achten. Dank ihrer Gebete sind jetzt ihre beiden Leben nicht mehr so getrennt. Sie engagiert sich ehrenamtlich in einem Malteser-Besuchsdienst und als Lektorin, Messdienerin und Kommunionhelferin sowie im Pfarrgemeinderat der Frankfurter Domgemeinde. Hat sie denn dazu Zeit? Da spottet sie ein bisschen:  Im Wettbewerb um den meisten Stress will sie nicht mitmachen. Mit gutem Willen und guter Planung kriegt sie das hin.

„Ich muss nicht nach Afrika gehen, um Gott zu dienen"

Manchmal passieren auch Sachen, die sie direkt an die Vorsehung glauben lassen. Immer schon hat sie sich gefagt, warum die Messe ist, wie sie ist: „Was will sie eigentlich von mir?“ Worin besteht die „tätige Teilnahme?“ Da sie die Wirkung von Musik erforscht, interessiert sie auch die Wirkung der Musik im Gottesdienst. „Das Konzert ist in der Krise, der Gottesdienst ist in der Krise.“ Gibt es da Gemeinsamkeiten, wie könnte man das verändern?
Eine Wandertour an Fronleichnam brachte dann überraschend  einen Kontakt zum Deutschen Liturgischen Institut in Trier. Daraus entstand das Forschungsprojekt „Wirkungsästhetik der Liturgie“ (siehe unten „Das Forschungsprojekt“). Melanie Wald-Fuhrmann begriff: „Ich muss nicht nach Afrika gehen, um Gott zu dienen.“ Ihr Talent ist hier und jetzt gefragt. Gott hat ihr „in den Weg geschoben, was gerade nötig war“. Sie will herausfinden, was Menschen im Gottesdienst wirklich fühlen und wie es ihnen dabei geht. Wir werden noch von ihr hören.

 

Das Forschungsprojekt
Mit dem Projekt „Wirkungsästhetik der Liturgie“ (WæL) wird mit empirischen Methoden die Wirkung gemeinsamen Feierns und Betens in der katholischen Liturgie erforscht. Themen sind dabei Gesang und Stille, Aufmerksamkeit und Sammlung sowie Leib und Liturgie. Auch der Zusammenhang von liturgischem Erleben und liturgischem (Vor-)Wissen wird erfasst. Das Projekt ist eine Kooperation zwischen der Musik-Abteilung des Max-Planck-Instituts für empirische Ästhetik (Professorin Melanie Wald-Fuhrmann) mit dem Lehrstuhl für Liturgiewissenschaft der Theologischen Fakultät Trier und dem Deutschen Liturgischen Institut, Trier (Professor Klaus Peter Dannecker). Seit Herbst 2017 laufen Umfragen und Feldforschungen, Ende des Jahres wird sich ein Experiment zur Tagzeitenliturgie anschließen. (nen)

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