22.03.2020

Hoffnung am Sonntag „Laetare“

Sorgt euch nicht!

Macht euch keine Sorgen! Freut euch! Am Sonntag „Laetare“ stand diese Freudenbotschaft auf der Tagesordnung. Gibt es in Zeiten des Coronavirus nicht genug Grund zur Sorge und Angst? Von Andreas Hüser.

Frau mit Munschutz
Angst vor dem Virus? Viele Menschen versuchen sich zu schützen, zum Beispiel mit einem Mundschutz.

Haben Sie Angst? Es gäbe Grund dazu. Das Coronavirus ist auf dem Vormarsch. Die Anstrengungen, seine Ausbreitung an den Grenzen zu stoppen, ist gescheitert. Kann ich mich als Einzelner vor Ansteckung schützen? Das ist möglich, aber schwierig. Ob Sie es trifft oder mich – wir wissen es nicht.

„Um nichts macht euch Sorgen!“ Das hat vor gut 2000 Jahren der Apostel Paulus an die Christen der griechischen Stadt Philippi geschrieben. Sein Brief sprüht vor Optimismus: „Freut euch im Herrn zu jeder Zeit“, „Der Herr ist nahe!“, „Sorgt euch um nichts, sondern bringt in jeder Lage betend und flehend eure Bitten mit Dank vor Gott!“ (Philipper 4,4–7)

Macht euch keine Sorgen! Das ist leicht gefordert, wenn man selbst keine Sorgen hat. Aber: Als Paulus den Brief an die Philipper schrieb, saß er im Gefängnis. Er wartete auf einen Prozess, in dem es um sein Leben ging. Die Gemeinde, an die er schrieb, war von außen und innen bedroht – so wie alle christlichen Gemeinden dieser Zeit.

Vielleicht ist deshalb der Ruf „Macht euch keine Sorgen!“ „Fürchtet euch nicht!“ „Sorgt euch nicht in eurer Seele!“ so oft im Neuen Testament zu finden. Vor allem Jesus hat der Sorge den Kampf angesagt. Die Bekümmernis, das Grämen, die Kontrollsucht, das Sicherheitsdenken, das Hamstern und Vorsorgen: All das ist in seinen Reden und Gleichnissen zu finden: „Sorgt euch nicht um morgen, der morgige Tag wird für sich selbst sorgen!“ Oder: „Wer von euch kann mit all seiner Sorge sein Leben auch nur um eine kleine Spanne verlängern?“ (Matthäus 6,27)

Angst lähmt, Vertrauen lässt handeln

Der Sorge, die die Seele herunterzieht und lähmt, setzt Jesus das kindliche Vertrauen in den „Vater im Himmel“ entgegen. „Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles braucht“, heißt es in der Bergpredigt (Matthäus 6,32).

Aber was heißt das angesichts des Coronavirus? Soll ich mich nicht bemühen? Mich und andere nicht vor Gefahren schützen? Ansteckung vermeiden? Hände waschen? Das Vertrauen und die Sorglosigkeit der Gotteskinder bedeutet nicht: Ich muss mich um nichts kümmern.

Gerade die Freiheit von der lähmenden Sorge macht es möglich, zu handeln – auch wenn die Chancen schlecht stehen. Eine Epidemie wie das Coronavirus zeigt, wie menschliches Handeln an seine Grenzen stößt. Das Leben bleibt gefährlich. Und nie sind wir sicher vor Krankheiten, Unfällen, Amokläufern, umfallenden Bäumen.

Alles tun und vermeiden hat seine Grenze. Aber hinter der Grenze ist noch etwas. Was wir nicht mehr im Griff haben, liegt in der Hand des liebenden Gottes. Deshalb ist die Grundstimmung der Christen nicht Angst, sondern Freude. „Freu dich!“ oder lateinisch: „Laetare!“ – so heißt der vierte Fastensonntag. An diesem Sonntag werden die Kirchen leer sein. Das ist eine sinnvolle Maßnahme: Tun, was man tun kann, damit sich das Virus nicht schneller ausbreitet. Die Freude der Christen darf nie ausfallen. „Freut euch im Herrn zu aller Zeit!“ schreibt Paulus an die Philipper. Und an die Römer hat er Ähnliches geschrieben: „Wer will uns scheiden von der Liebe Christi? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße, Gefahr oder Schwert? Alles überwinden wir durch den, der uns geliebt hat.“ (Römer 8, 35–37)