06.10.2020

Rätsel um archäologischen Fund

Studie zu angeblichen Kreuzigungsnägeln

1990 wurden am Tempelberg in Jerusalem zwei Nägel gefunden - angeblich jene Nägel, mit denen Jesus ans Kreuz geschlagen wurde. Seitdem streiten Forscher über die Authentizität des Funds. Neue Erkenntnisse legen nahe, dass die Nägel tatsächlich für eine Kreuzigung verwendet wurden. 

Blick auf die markante goldenen Kuppel des Felsendoms auf Tempelberg in Israel
1990 wurden südlich des Tempelbergs zwe Nägel entdeckt, mit denen Jesus ans Kreuz geschlagen worden sein soll. 

Zwei in Jerusalem gefundene Nägel aus der Römerzeit wurden möglicherweise für eine Kreuzigung verwandt. Zu diesem Schluss kommen Forscher der Universität Tel Aviv nach einer erneuten Untersuchung der in den 1990er Jahren entdeckten Nägel, wie die Zeitung «Haaretz» (Montag) berichtet. Andere Forscher äußerten sich skeptisch zu der kürzlich in der Fachzeitschrift "Archaeological Discovery" veröffentlichten Studie.

1990 wurde bei Grabungen südlich des Tempelbergs ein Grab entdeckt, das manchen Forschern als Grabstätte des jüdischen Hohepriesters Kaiphas gilt. Bei den Grabungen wurden auch zwei Nägel gefunden; einer in einem Ossuarium, einer in der umliegenden Erde. Die Artefakte wurden damals nicht fotografiert und verschwanden. 2011 erklärte der israelisch-kanadische Filmemacher Simcha Jacobovici, die Nägel in dem Tel Aviver Universitätslabor gefunden zu haben. Laut Jacobovici handelt es sich um jene Nägel, mit denen Jesus ans Kreuz geschlagen wurde. Archäologen bezweifelten die Authentizität. Auch lasse sich nicht nachweisen, dass sie tatsächlich aus der genannten Ausgrabung stammen.

Abgleiche von Sedimentresten an den Nägeln und an dem Ossuarium ergaben nun laut Bericht eine Übereinstimmung. Zum Vergleich herangezogene Sedimentsreste von 40 weiteren Ossuarien und 25 Gräbern in Jerusalem ergaben laut dem Studienleiter Arieh Schimron hingegen keine Übereinstimmung. Die chemische und physikalische Untersuchung der Nägel wiesen demnach darauf hin, dass die Funde aus dem 1990 entdeckten Grab stammen.

Ferner hätten sich an den Nägeln mikroskopisch kleine Spuren von Holz und Knochen gefunden, die stark darauf hinwiesen, dass sie bei einer Kreuzigung zum Einsatz kamen. Er behaupte nicht, dass die Nägel zur Kreuzigung Jesu benutzt worden seien, sagte der Geologe der Zeitung. Das möge jeder für sich selbst entscheiden.

Werner Schoch, ein an der Studie beteiligter Schweizer Experte für altes Holz, identifizierte die Holzreste auf den Nägeln als Zedernholz. Demnach müsste es sich um einen teuren Import aus dem Libanon handeln. Die Nutzung seltenen Zedernholzes für eine Kreuzigung scheine aber eher ungewöhnlich.

Die israelische Antikenbehörde erklärte auf Anfrage der Zeitung, die "interessante und anregende Studie" belege nicht, dass die Nägel aus dem sogenannten Kaiphas-Grab stammen. Ferner gebe es Zweifel an der Zuschreibung des Grabes an Kaiphas, da es in seiner Einfachheit nicht dem Status eines Hohepriesters entspreche. Die Nutzung der Nägel für eine Kreuzigung hingegen sei nicht auszuschließen, so die Behörde. Weitere befragte Experten kritisierten die Studie als höchst spekulativ.

Archäologische Hinweise auf die Kreuzigungspraxis der Römer sind extrem selten. Als einziger unumstrittener Fund gilt ein 1968 gefundenes Fersenbein aus einem Grab aus dem 1. Jahrhundert in Jerusalem, in dem ein römischer Nagel steckte.

kna/Andrea Krogmann