26.09.2019

Erster „Tag der Ehejubiläen“ in Mainz

Das Paar als „lebendes Bildnis Gottes“

Er ist eine Premiere und hat „eine unglaubliche Resonanz“: Beim ersten „Tag der Ehejubiläen“ im Bistum Mainz „ist der Dom voll“, stellt Bischof Peter Kohlgraf fest. Gut 360 Jubelpaare sind nach Mainz gekommen. Für 200 weitere Paare gibt es einen neuen Termin. Von Anja Weiffen.

Gesegnet zu werden, war vielen Ehepaaren besonders wichtig. Nicht nur Bischof Peter Kohlgraf spendete den Segen. Auch weitere Segensspender standen im Dom bereit. Das Angebot kam an.

Angelika und Norbert Nichell reichen sich die Hände. Sie stehen vorne am Altar, stellvertretend für die vielen Ehepaare, die ihre Plätze im Kirchenschiff bis hinein in den Ostchor des Mainzer Doms haben. Gemeinsam bekräftigen sie alle ihr Eheversprechen. Erst die Männer, dann die Frauen. Ein Moment, der allein den Jubelpaaren zu gehören scheint. Und während kurz nach dieser Bekräftigung die Stimmen des Mädchenchors in einem „Ave Maria“ gen Himmel schallen, tauscht das eine und andere Paar Blicke und Worte aus.

Ehepaare, die in diesem Jahr ihre silberne, goldene oder diamantene Hochzeit feiern, hat das Bistum Mainz erstmals zu einem „Tag der Ehejubiläen“ nach Mainz eingeladen: in den Dom zum Gottesdienst mit Bischof Peter Kohlgraf und im Anschluss in den Erbacher Hof zur Begegnung bei Kaffee und Kuchen. Circa 360 Paare sind dazu in die Bischofsstadt gekommen.

Gefreut, von der Kirche angesprochen worden zu sein

Die besondere Stimmung der Gäste ist zu spüren und ihnen anzusehen: frohe Gesichter, lockere Gespräche, hier und da ein knallrotes Kleidungsstück oder Accessoire, wie zum Zeichen der Liebe und Lebensfreude. Die Frauen und Männer freuen sich über ihr Jubiläum, aber auch darüber, mit dieser Einladung von der Kirche angesprochen worden zu sein, wie einige Paare gegenüber „Glaube und Leben“ kundtun. 

Bischof Kohlgraf betont in seiner Predigt, dass die Freude der Eheleute über ihr Jubiläum auch die Freude der Kirche ist. Auch persönlich gratuliert er den Gästen herzlich. Er erinnert an das Schreiben „Die Freude der Liebe“ (Amoris laetitia) von Papst Franziskus, das von Ehe und Familie handelt. Es falle auf, sagt der Bischof, „dass Begriffe, die wir heute mit Ihnen als Paar verbinden, auch Eigenschaften sind, die die Heilige Schrift mit Gott selbst verbindet“. Kohlgraf zitiert aus der Papst-Schrift: „Das liebende Paar, (…) ist das wahre, lebende ,Bildnis‘, (…), das imstande ist, den Gott, der Schöpfer und Erlöser ist, darzustellen.“ (Amoris laetitia 11) Der Bischof wendet sich an die Paare: „Jetzt erst einmal tief durchatmen. Sie sind das wahre Bildnis Gottes.“

Neben der Freude spielen in Kohlgrafs Predigt die Worte Liebe, Weggemeinschaft und Treue die zentrale Rolle. Die Bibel sei voll von Geschichten der Liebe. Zur Liebe gehörten Langmut, Güte, Versöhnungsbereitschaft. Aber er wisse auch, dass ein Gelingen dieses Ideals oft mit einem inneren Ringen und auch mit Konflikten einhergeht. „Nehmen Sie die biblischen Worte nicht als moralischen Anspruch, sondern als Ermutigung, gerade wenn nicht alles perfekt ist.“ Gott sei die Quelle der Liebe. Er wisse auch um menschliche Grenzen. „Eben deshalb braucht es den Segen, den wir Ihnen heute schenken dürfen.“

Eine Partnerschaft, sagt Kohlgraf, sei – wie das ganze Leben – Entwicklung und Prozess. Auf den Wegen, die die Paare gemeinsam gehen, gehe Gott immer mit. „Manchmal rufen Menschen nach ihm, weil sie ihn nicht erkennen können, aber er ist dabei. Und manchmal machen Menschen die Erfahrung, dass er sie wie auf Flügeln getragen hat.“

Die Treue, den Partner oder die Partnerin als zuverlässig zu erfahren, verbindet Kohlgraf mit dem Glauben. „So wie ich Gott glaube, weil ich ihm vertraue und auf seine Treue baue, so braucht es auch den Glauben der Partner aneinander, das Vertrauen, dass sein oder ihr Wort gilt.“ Der Bischof richtet seine Worte direkt an seine Gäste: „Wenn Sie gesegnet werden, spricht Gott Ihnen seine Treue zu, und er traut Ihnen zu, in Treue zu dem gegebenen Versprechen zu stehen.“

Den Hochzeitstag neu aufleben lassen

Applaus gibt es zweimal im Gottesdienst: für den Mädchenchor am Dom und St. Quintin unter der Leitung von Domkantor Michael Kaltenbach und für Barbara Wolf, stellvertretend für die Erwachsenenseelsorge im Bistum, die den Tag angestoßen hat (siehe „Zur Sache“). 

Die von Bischof Kohlgraf erwähnte Tugend des Langmuts und der Geduld können die Gäste an diesem Tag gut gebrauchen. Sie stehen Schlange – an den zehn Stationen im Mainzer Dom, wo Priester den Paaren den Segen spenden, und im Kreuzgang. Dort hat die Kirchenzeitung „Glaube und Leben“ eine Foto-Station aufgebaut. Jedes Paar kann sich zur Erinnerung fotografieren lassen. Auch das Foto-Ritual lässt den Hochzeitstag neu aufleben.

 

Nachgefragt

Was bedeutet Ihnen der gemeinsame Segen?

 

Sonja und Hubertus Gutjahr aus der Pfarrei St. Maria Magdalena in Gernsheim, 25 Jahre verheiratet: Der Segen – das ist für die beiden eine Festigung. Er gibt ihnen Kraft und Halt. „Wir haben damit erneut unseren Glauben bestätigt“, sagt das Ehepaar. Und der Moment des Segnens? „Das ist etwas ganz Besonderes“, antwortet Sonja Gutjahr. „Das ist wie ein neues Versprechen.“ 

Sehr gefreut haben sich Sonja und Hubertus Gutjahr vor allem über die persönliche Einladung zum „Tag der Ehejubiläen“. (wei)

 

 

 

 

 

 

Anke und Frank Hartmeyer, Heppenheim, 25 Jahre verheiratet: „Segen bedeutet für mich, Schutz zu haben und behütet zu sein“, antwortet Anke Hartmeyer auf die Frage, was ihnen ein Segen bedeutet. Ihre Eltern segneten sie als Kind, erzählt sie. „Das hieß für mich damals: Es ist jemand für mich da und ich bin aufgehoben.“ 

Den Eheleuten bedeutet der Paar-segen, erneut ihre Ehe für die kommende Zeit zu bekräftigen. Er gebe ihnen die Sicherheit, gemeinsam beschützt zu sein. Genauso sei ihnen dadurch bewusst geworden, dass sie als Paar gesegnet sind, eine so lange Zeit miteinander verbringen zu dürfen. (wei) 

 

 

 

 

 

Svetlana und Michael Meinhardt, Viernheim, 25 Jahre verheiratet: Sich an so einem Tag segnen zu lassen, „das ist für mich eine weitere Steigerung auf dem Weg, auf dem wir sind“, findet Michael Meinhardt. Seiner Frau Svetlana bedeutet der Segen „eine Stärkung unseres Versprechens – für die nächsten 25 Jahre“. Die Einladung des Bistums haben die beiden gerne angenommen, „weil wir Zeit unseres Lebens mit der Kirche verbunden sind“. Und weil Michael Meinhardt einen der Segensspender kennt: „Ich war Messdiener bei Pfarrer Franz-Rudolf Weinert.“ (wei)