04.11.2022

„Wort des Bischofs" von Mainz, Peter Kohlgraf

Totschlagargument endgültig vom Tisch

„Die Weltkirche ist mehr als die römische Kurie.“ Das werde aus einem neuen Arbeitsdokument für den weltweiten Synodalen Weg deutlich, sagt Bischof Peter Kohlgraf im „Wort des Bischofs“ und deutet die Inhalte für die hiesige Kirche.


„Unsere Themen des Synodalen Weges haben einen seriösen Eingang in das weltweite Gespräch gefunden“, sagt Bischof Peter Kohlgraf.


Der Synodale Weg in Deutschland bewegt viele Gemüter, nicht nur in Deutschland. Es gibt sicher berechtigte Sorgen, und je nachdem, welchen Informationen man folgt, auch unterschiedliche Wahrnehmungen. Es ist Kennzeichen eines synodalen Prozesses, dass man sich nicht jede Meinung zu eigen machen kann, aber doch mit Interesse und dem Bemühen zu verstehen dem und der anderen begegnet. Nicht immer ist
dies vorbildlich gelungen, aber die gelungenen Begegnungen und Lernwege werden in der Wahrnehmung zu selten gewürdigt, denn sie gab es auch. Wir lernen, was Synodalität, das heißt gemeinsame Suche nach Wegen und Entscheidungen im kirchlichen Leben bedeutet.
Der Papst hat uns immer wieder daran erinnert, dass Synodalität nicht allein im Entwickeln von Texten besteht, sondern im Lernen von Haltungen und inneren Einstellungen anderen Glaubenserfahrungen und -zugängen gegenüber. Dennoch sind Texte Grundlagen des Weiterdenkens und Weitergehens. Das gilt für die Texte des Synodalen Weges in Deutschland, aber auch für den von Papst Franziskus angeregten weltweiten Synodalen Weg, der jetzt in eine neue Phase eintritt.
Die Bistümer und Bischofskonferenzen haben ihre Erfahrungen in das Gespräch der gesamten Weltkirche eingebracht, und Weltkirche ist mehr als die römische Kurie. Dies wird mehr als deutlich in dem jetzt erschienenen Arbeitsdokument für den weiteren kontinentalen Prozess mit dem Titel „Mach den Raum deines Zeltes weit“. Darin wird zunächst die Vielfältigkeit der Weltkirche deutlich. Wenn wir von Einheit der Kirche sprechen, reden wir nicht über Eintönigkeit oder Uniformität. Uns verbindet der eine Glaube, die Sakramente und die Gemeinschaft mit dem Heiligen Vater in Rom. Die Glaubensgestalten sind aber von großer kultureller Vielfalt geprägt, die den Reichtum der Kirche ausmachen, aber im Miteinander der verschiedenen Teilkirchen auch Konfliktstoff bieten.
Synodalität in einer Weltkirche muss auch bedeuten, die verschiedenen Sichtweisen wahrzunehmen, und Vielfalt auszuhalten. Diese Vielfalt kommt in dem Arbeitspapier zum Ausdruck, genauso aber die Erkenntnis, dass es gemeinsame Fragen gibt, die in den verschiedenen Ländern und Kontinenten zwar unterschiedlich gewichtet werden, aber dennoch als Thema auf dem Tisch sind. Um nur einige Themen zu nennen: die Frage nach der Stellung der Frau, auch in leitenden Diensten und Ämtern, die Kircheneinheit und Eucharistiegemeinschaft, der Umgang mit Menschen unterschiedlicher sexueller Orientierung, das Priestertum und seine zölibatäre Lebensform, der Umgang mit der modernen Welt und der Globalisierung und viele andere Fragen. Es wird mehr als deutlich: Das Totschlagargument von einem deutschen Sonderweg ist damit endgültig vom Tisch, findet jedenfalls keine Bestätigung mehr. Unsere Themen des Synodalen Weges haben einen seriösen Eingang in das weltweite Gespräch gefunden. Auch der Verweis auf eine reine Arbeit an Strukturen kann nicht mehr gelten, denn alle Themen der Weltkirche, auch die in Deutschland, dienen der Evangelisierung. Vielfalt steht nicht gegen Einheit. Das gilt für unsere Kirche in Deutschland, aber es gilt auch weltweit.


Ihr Bischof Peter Kohlgraf

 

Siehe auch: https://www.kirchenzeitung.de/Weltweiter-synodaler-Prozess-startet-in-di...