30.08.2018

Barbara Schmidt macht eine Ausbildung für Trauerbegleiterinnen

„Wissen, wie es sich anfühlt“

Barbara Schmidt wird an der Ausbildung für Trauerbegleiterinnen teilnehmen, die im Rahmen des Erkundungsvorhabens „Trauerpastoral“ in der Pfarrei St. Birgid Wiesbaden angeboten wird. Von Christa Kaddar.

Barbara Schmidt Foto: Christa Kaddar
„Es ist unerlässlich, dass wir als Trauerbegleiterinnen eine gute und fundierte Ausbildung bekommen“, sagt Barbara Schmidt. | Foto: Christa Kaddar

„Schon vor vielen Jahren hatte ich mir vorgenommen, in die Hospizarbeit zu gehen, wenn ich nicht mehr berufstätig bin“, erzählt Barbara Schmidt. Die 60-Jährige arbeitet als Physiotherapeutin in einer Wiesbadener Klinik, wird sich aber ab September zur ehrenamtlichen Trauerbegleiterin ausbilden lassen. „Ich habe selbst gespürt, wie hilfreich es ist, in der Trauer begleitet zu werden und andere Impulse zu bekommen.“ Als ihr Mann vor knapp fünf Jahren starb, sprach sie mit Geschwistern und Freunden über ihre Trauer. Auch ihr damals 25-jährige Sohn stützte sie. Er trauerte aber anders als sie.

Nach einem Jahr suchte sie Hilfe bei Auxilium, führte Einzelgespräche mit einer professionellen Trauerbegleiterin und nahm an einer Trauergruppe teil. „Es hat gut getan, in der Gruppe Emotionen loslassen zu können, ohne dass sie kommentiert wurden. Ich hatte das Gefühl, alle anderen wissen auch, wie es sich anfühlt.“ Die Besinnung auf eigene Wurzeln, der Blick nach vorne, Antworten auf die Frage, wie sie den Weg gestärkt weiter gehen könne, hätten ihr geholfen.

Dadurch ahnt sie, was auf sie als Trauerbegleiterin zukommt. Mit dem Tod ihres Mannes war sie nicht zum ersten Mal mit Trauer konfrontiert. Schon früh verlor sie ihren Vater, und ihr frühgeborenes Kind wurde nur zwei Tage alt. „Möglicherweise ist es hilfreich, wenn man weiß, was man in einer Trauerphase mitmacht“, sagt Schmidt, „aber auch durch meine Arbeit im Krankenhaus habe ich gelernt, Menschen jeden Tag in ihrem Ist-Zustand abzuholen.“

Eine wichtige Triebfeder für die Entscheidung in die Trauerbegleitung zu gehen, ist ihr Glaube. „Als aktive Christen sind wir gesandt und aufgerufen, für andere Menschen da zu sein.“ Wenn Menschen einen Angehörigen christlich beerdigen lassen – auch solche, die der Kirche nicht sehr nahe stehen – seien sie vielleicht offener, der Kirche näher zu kommen. „Es ist wichtig, dass mit dem Tag der Beerdigung die Begleitung der Angehörigen nicht zu Ende ist, wenn sie selbst wünschen, weiter begleitet zu werden. Auch diejenigen, die im Glauben stehen, können das als Hilfe für sich empfinden. Dafür ist es unerlässlich, dass wir eine gute und fundierte Ausbildung bekommen.“

Glaubensstärke durch Schicksalsschläge

Durch die Schicksalsschläge in ihrem Leben sei ihr Glaube immer stärker geworden, hat Barbara Schmidt festgestellt. „Mein Glaube war immer Wegweiser und Lebenshilfe für mich.“ Sie ist katholisch aufgewachsen, zur Kommunion gegangen, gefirmt worden, war in der kirchlichen Jugendarbeit aktiv und ist Lektorin, Kommunionhelferin und Beauftragte für die Wortgottes-Feier. Sie wohnt in Wiesbaden-Medenbach, wo es keine katholische Kirche gibt. Medenbach gehört, wie der Wiesbadner Stadtteil Naurod, zum Kirchort St. Elisabeth Auringen, der wiederum seit 2014 zur Pfarrei neuen Typs St. Birgid Wiesbaden gehört.

Barbara Schmidt ist eine von elf Ehrenamtlichen, die für die zweijährige Ausbildung ausgewählt wurden. Das Bistum unterstützt die Pfarrei St. Birgid, die sich bereits im vergangenen Jahr für das Erkundungsvorhaben „Trauerpastoral“ entschieden hat und die neuen Wege mit dem Motto „… da lebst und stirbst du nicht allein“ überschrieben hat. Ansprechpartner in der Pfarrei sind Pfarrer Frank Schindling und Pastoralreferent Stephan Lechtenböhmer, der die Arbeit und Weiterarbeit in der Trauerpastoral koordinieren wird.

 

Zur Sache: Module in der Ausbildung

Die Ehrenamtlichen, die für die Ausbildung als Trauerbegleiter/in oder Mitarbeiter/in im Beerdigungsdienst ausgewählt wurden werden zwei Jahre lang an folgenden Ausbildungsmodulen teilnehmen:

  • systematischer Blick auf Trauerphasen
  • Kommunikationstraining (mit Rollenspielen)
  • Hospitation bei Trauergesprächen und Liturgie
  • Verkündigungs- und Auferstehungsglaube und Jenseitsvorstellungen
  • Formen von Trauerbegleitung/ Sensibilität des Anfangs
  • Elemente der Trauerliturgie
  • Spannungsfeld Biografisches – Verkündigung
  • Bestattungsformen
  • Reflexion in der Gruppe

Quelle und weitere Informationen: www.st-birgid.de