17.10.2019

Kirche und die Fehlerfreundlichkeit

Trend zum pastoralen Lernamt

Was ist wesentlich für die Kirche 2030? Es wäre gut, wenigstens einige Begriffe des „Pastoralsprech“ zu verstehen. Heute geht es in unserem „kleinen ABC der Kirchenentwicklung“ um die vielfach geforderte „Fehlerfreundlichkeit“. Anders gesagt: Experimentieren ist ausdrücklich erlaubt, Erfolgsaussicht offen. Von Johannes Becher.

 

„Error“ – Fehler – so meldet der Computer sofort, wenn der eingeschlagene Weg kein Fortkommen verspricht. Und stets folgt die Einladung, es nochmals zu versuchen: „Try again“.

Ich weiss nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber es muss anders werden, wenn es besser werden soll.“ – Das weise Wort des Philosophen Georg Christoph Lichtenberg lässt sich auch als Leitwort der Kirchenentwicklung lesen.

Und folgerichtig wünscht sich nicht nur Limburgs Bischof Georg Bätzing mehr Mut für Experimente in der Kirche. Im Interview mit „katholisch.de“ sagte er einladend: „Ich möchte alle Ebenen des Bistums ermutigen, Formate und Angebote für suchende und am Glauben interessierte Menschen zu entwickeln.“

Bätzing weiß, dass für eine solche Bereitschaft zur Bewegung vor allem eine andere Grundhaltung nötig ist. Ein Kulturwandel. Bätzing zählt dazu die „Offenheit für die Zeichen der Zeit, die Bereitschaft, sich unter das Wort Gottes zu stellen, vertrauen können und vertrauenswürdig sein, Partizipation ermöglichen, Innovation zulassen und eine Fehlerfreundlichkeit und Konfliktfähigkeit etablieren“.

Wer solches hört, dem mag die Vision des österreichischen Theologieprofessors Christian Bauer gar nicht mehr so weit hergeholt scheinen: Er setzt darauf, dass sich in diesen bewegten und bewegenden Tagen der Kirche „das kirchliche Lehramt allmählich zum pastoralen Lernamt wandelt“. Bauer sieht die Aufgabe für Pastoraltheologen heute darin, Lust zu machen: „Lust auf Neues in der aktiven Gestaltung des Unvermeidlichen, Lust auf Begegnungen außerhalb des Pfarrmilieus.“ Handeln würden Menschen erst, „wenn ihre Lust größer ist als ihre Angst“. Nur wo eine „echte Beteiligung“ der Engagierten gewünscht sei, dort könne man „auf eine fehlerfreundliche Freude am Experimentieren“ treffen.

Da ist es endlich, dieses kleine Wörtchen, das in der „Kirchenentwicklung“ stets bemüht wird: „fehlerfreundlich“. Es ist so wichtig und richtig, wie es mit Vorsicht zu achten ist. Denn was nützt eine Kirchenentwicklung, deren Fixpunkte längst strukturell eingenordet wurden? Von „ergebnisoffen“ darf doch nur dann gesprochen werden, wenn wirklich das neue Antlitz kirchlichen Lebens erst noch gefunden werden darf.