06.12.2022

Bernadette Wahl von der City-Pastoral

Verkündigen mit Popcorn

Sie sind mobil. Und sie verkündigen auf ihre Weise die christliche Botschaft – die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden der Citypastoral. Ein Gespräch mit Bernadette Wahl, Referentin für Citypastoral in der Fuldaer Stadtpfarrei. Von Hans-Joachim Stoehr


Das Team der Citypastoral mit dem Lasterroller. Die Aufnahme entstand beim Stadtfest, als unter anderem Popcorn verteilt wurde. Links vorne ist Bernadette Wahl.


„Wir wollen den Leuten etwas Gutes tun, eine kleine Freude machen, aber nicht inhaltsleer.“ Das sagt Bernadette Wahl zu ihren Aktionen auf den Straßen der Fuldaer Innenstadt rund um die Stadtpfarrkirche. So hat sie mit ehrenamtlichen Mitarbeitenden der Citypastoral zu Erntedank Äpfel verteilt – mit einem Aufkleber mit der Aufschrift „Einfach für dich“.
Bei solchen Anlässen kommt auch der gelbe Lastenroller mit elektrischem Antrieb zum Einsatz. Die Reaktionen der Passanten waren unterschiedlich. „Die Männer erkundigten sich eher nach dem Roller, etwa ob man dafür einen Motorrad-Führerschein braucht. Und die Frauen interessieren sich eher für die Äpfel“, berichtet Wahl.
In beiden Fällen geht es darum, ins Gespräch zu kommen. Dabei ist Wahl das Bewusstsein wichtig, „bei den Menschen zu Gast zu sein“. Die Referentin: „Sie schenken uns ihre Zeit. Und es kann auch sein, dass ich mal störe.“ Das bedeutet aber auch, den Passanten mit Respekt zu begegnen. „Denn als Christ glaube ich, dass jeder Mensch von Gott geliebt ist“, ist Wahl überzeugt. Das eigene Verhalten soll vom Gegenüber nicht als übergriffig empfunden werden.

Mit Aktionen ein Lächeln ins Gesicht zaubern

Wichtig ist für die Mitarbeitenden der Citypastoral, aktiv zuzuhören, bei den Menschen zu bleiben und nicht so sehr von sich zu sprechen. Für die Ehrenamtlichen gibt es zudem Schulungen, in denen sie etwas über Körpersprache erfahren oder auch, wie Blicke gelesen werden können. Dies gelte etwa für Signale, wenn Menschen nicht angesprochen werden wollen.
Umgekehrt kann es aber auch sein, dass jemand interessiert aus der Distanz zuschaut und sich dann freut, wenn er angesprochen wird. Und bei dem, der nicht angesprochen werden will? Wahl: „Vielleicht bleibt bei ihm hängen, dass da Menschen von der Kirche ihm freundlich begegneten, etwas Gutes tun wollten.“ Die Verkündigung, wie sie auf der Straße geschieht, ist also anders als eine Predigt oder Katechese.
Bei den Aktionen ist es wichtig, nahe an der Lebenswelt der Menschen zu sein. Deshalb war der Slogan „Ich hab dich wirklich gern“ im Rhöner Dialekt formuliert: „Ech honn dech wällich gern.“ Und die Aktionen sollen möglichst den Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Als Beispiel nennt Wahl eine Aktion, bei der der Lastenroller mit Popcorn-Beutelchen befüllt war. Das Ganze unter dem Slogan: „ Glaube ist wie Popcorn – er steckt voller Überraschungen.“
Die Aktivitäten müssen aber auch zur Situation passen. Wahl erinnert sich, dass im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg gebastelte Friedenstauben gegen eine Spende verteilt werden sollten. „Das fanden wir dann aber nicht passend. Stattdessen haben wir einen Seminaristen aus der Ukraine interviewt, der von der Familie und den Freunden in seiner Heimat berichtete“, sagt die Citypastoral-Referentin.

Leute von der Kirche als sympathisch empfunden

Für Wahl ist es auch faszinierend, wie bei den Mitarbeitenden ganz unterschiedliche Charaktere mit unterschiedlichen Interessen zum Vorschein kommen. „Eine von uns spricht zum Beispiel besonders gern Punks an. Ich finde es toll, wie sie mit ihnen ins Gespräch kommt.“ Wahl erinnert an eine Gruppe bei der Erntedankaktion mit den Äpfeln, die vor dem Hotel Platzhirsch einen feucht-fröhlichen Junggesellenabschied feierte. Die Reaktion auf eine geschenkte Frucht: „Wir würden lieber einen Äppler nehmen.“ Für Wahl ist das Entscheidende: „Sie haben uns Leute von der Kirche als angenehm, sympathisch empfunden.“ Manches Gespräch geht indes in die Tiefe, etwa wenn Menschen auf der Straße erzählen, dass ihnen seit langem das Gebet zuhause wichtig ist. Wahl: „Dann werde ich beschenkt.“

Von Hans-Joachim Stoehr