02.08.2018

Was Neues für junge Menschen

Da, wo das in den 1980-er Jahren von quirligen jungen Menschen erfüllte Haus der Begegnung in Frankfurt stand, ist nun der Geist des Gründens, Loslassens und Neustartens eingezogen – in die Villa Gründergeist. Von Barbara Brüning.

Hier können sich junge Erwachsene treffen, die ein sogenanntes Start-up gründen und sich vernetzen wollen, aber dafür Unterstützung suchen. Menschen, die nicht sofort einen Kredit bekommen, die nicht die finanziellen Mittel haben, um einen Co-Working-Space – das sind Büros, die man auf Zeit mieten kann – zu nutzen, aber eine gute Idee.

Gute Ideen und kreative Geister vernetzen

Der Leiter der Villa Gründergeist, Peter Kubikowski, demonstriert mit einer Flasche, was Loslassen bedeutet. Foto: Barbara Brüning
Der Leiter der Villa Gründergeist, Peter
Kubikowski, demonstriert mit einer Flasche,
was Loslassen bedeutet.
Foto: Barbara Brüning

„Ich will Einzelpersonen haben, die sich für das Gemeinwohl interessieren“, sagt der Theologe und Leiter der Villa, Peter Kubikowski. „Es geht darum, gute Ideen miteinander umzusetzen, und Menschen, die eine gute Idee haben, zusammen zu bringen“, erklärt David Schulke, Abteilungsleiter Jugendliche und Junge Erwachsene im Bistum Limburg. Das könne etwa ein Migrant sein, der tolle Einfälle, aber keinen finanziellen Background hat. Oder Geisteswissenschaftler im Non-Profit-Bereich, die nach dem Studium nicht die großen Kredite kriegen, weil sie sich auch nicht gut präsentieren. Die, die sich über Hilfe freuen, führt Schulke aus.

Ankommen sollen die jungen Menschen erst mal im Café im Erdgeschoss. Hier ist schon ein Betreiber gefunden, die Umbauarbeiten haben aber noch nicht begonnen. „Es wird einladend sein, kommunikativ und von morgens bis abends offen“, sagt Kubikowski, der ähnliche Projekte schon in der Schweiz umgesetzt hat. Es gelte sogenannte Third Places zu schaffen: ein Zuhause außerhalb von Zuhause. Private Rückzugsräume im öffentlichen Raum. Daran schon zeige sich, wie die Cafékultur sich ändere.

„Die Vorgabe vom Bischof war einfach: Macht was Neues für junge Erwachsene“ berichtet Kubikowski. Das war wohl auch nötig, denn das Konzept des „Haus der Begegnung“ hatte an Attraktivität verloren. In den vergangenen Jahres seien immer weniger Besucher gekommen, sagt Kubikowski. In den frühen 1980-er Jahren für junge Menschen als Bildungs- und Begegnungsstätte konzipiert, sei es mit seinen Gästen alt geworden. Kubikowski wäre es lieber, „das Ganze hier würde mehr nach Baustelle aussehen, nicht so sachlich und fertig. Denn was wir uns wünschen, ist, dass es eine Baustelle für spannende Projekte wird.“

Drei Stockwerke hat die Villa. Das Erdgeschoss wird ganz vom Café eingenommen. Der erste Stock ist für Präsentationen, für Veranstaltungen geeignet. In der zweiten und dritten Etage sind Räume, die zum Arbeiten genutzt werden können. Und wann werden die ersten Besucher erwartet? „Angefangen haben wir eigentlich schon“, sagt Kubikowski. „Sie können morgen kommen, bringen Sie Ihren Laptop mit, beginnen Sie zu arbeiten. Kein Problem.“ Jeder kann einfach kommen, man tauscht sich aus, bekommt Rat, wird kreativ und produktiv.

Junge Künstler können hier ausstellen

Auf dem Kunstsektor funktioniert das auch schon. Vivian van Deventer, seit 2011 Bildungsreferentin für Kultur, organisiert zweimal im Jahr semesterbegleitend Ausstellungen, Vernissagen, Finissagen. Das sei gut etabliert, berichtet sie. „Wir haben ein lebendiges Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm“, fügt die Referentin, die selbst Künstlerin ist, hinzu. „Und sind Künstler nicht immer Gründer – Freigeis-ter? Wenn junge Künstler hier ausstellen wollen, dann können sie sich bei uns bewerben“, erklärt sie. Sie sei offen für alle interessanten Projekte. Zur Zeit geht gerade die Fotoausstellung Frankfurt 43 zu Ende, in der alle 43 Stadtteile Frankfurts durch ein Foto präsentiert werden.
Informationen: www.villa-gruendergeist.de und www.villavie-frankfurt.de