05.08.2020

Theologe spricht über das Artensterben

"Wir bringen Gott zum Schweigen"

Das Artensterben auf der Erde ist dramatisch. Nicht nur ganze Ökosysteme sind gefährdet – auch das Überleben der Menschheit. Der Theologe und Zoologe Rainer Hagencord fordert, dass die Kirche dieser Katastrophe oberste Priorität gibt. 

Der Theologe und Zoologe Rainer Hagencord
Der Theologe und Zoologe Rainer Hagencord sieht auch die Kirche in der Pflicht, das Artensterben aufzuhalten. 

Der katholische Theologe und Zoologe Rainer Hagencord ist wenig optimistisch, dass das Artensterben und die Zerstörung der Ökosysteme noch aufgehalten werden können. "Ich sehe keine Bereitschaft in der Mehrheitsgesellschaft und in der Politik dafür, einen grundlegend anderen Lebensstil zu etablieren", sagte der Leiter des Instituts für Theologische Zoologie in Münster im Interview mit dieser Zeitung. 

Veränderungen seien etwa bei der Ernährung notwendig, so der Experte. "Ich finde, die vegetarische Lebensform ist jetzt angemessen." Er selbst lebe seit gut zehn Jahren vegetarisch und stelle fest: "Wir können in unseren Breiten wunderbar ohne Fleisch leben." Auch müssten die Menschen ihr Reiseverhalten überdenken.

Hagencord plädierte für eine erfahrungsorientierte Bildung. "Wir sollten Kinder wieder mehr Naturerfahrungen ermöglichen." Wenn Kinder mal auf einer Wiese unterwegs seien, wachse bei vielen auch die Lust und die Leidenschaft, mehr zu erfahren und die Tiere zu schützen. Vielen Menschen fehle inzwischen diese Erfahrung.

Der Institutsleiter sieht auch die katholische Kirche in der Pflicht. "Ich erlebe in der reichen Kirche Deutschlands fast ein Verschweigen", kritisierte er. So finde etwa der im vergangenen Jahr gestartete Reformprozess Synodaler Weg ohne Berücksichtigung der ökologischen Frage statt. Hagencord verwies auf die 2015 von Papst Franziskus veröffentlichte Enzyklika "Laudato si". Das Schreiben sei das "theologische Lehrbuch zur Krise".

Ganz konkret könne die Kirche etwa entsprechende Bildungsarbeit anbieten. Auf kirchlichen Grundstücken solle nur nachhaltige Landwirtschaft betrieben und in kirchlichen Kantinen nur Fleisch aus nachhaltiger Erzeugung angeboten werden, forderte Hagencord. Der Theologe betonte: "Mit der Ausrottung der Arten bringen wir Gott zum Schweigen."

Das vollständige Interview mit Rainer Hagencord lesen Sie in Ihrer Kirchenzeitung. 

(kna/vbp)