09.09.2021

Interview "Moment mal"

Wohin geht die Reise, Frau Penkhues?

Miriam Penkhues hat fast neun Jahre die Pilgerstelle im Bistum geleitet. Seit September ist sie in der Villa Gründergeist in Frankfurt tätig, wo sie sich für „Kirchliche Innovation und Digitalität“ engagiert.


Frau Penkhues, pilgern Sie jetzt nicht mehr?
Hauptberuflich pilgere ich nun nicht mehr, das stimmt. Privat gibt es aber weiterhin Wege, die ich noch gehen möchte ... Aber Pilgern und Innovation haben sehr viel gemeinsam: Es geht ja bei beiden Themen darum, sich beherzt ins Unbekannte aufzumachen. Von daher kann ich das Trainingscamp Pilgerstelle nun gut verlassen, nehme aber die geistliche Haltung des Pilgerns und meine innere Ausrichtung auf Gott sicher mit auf die neue Stelle.

Sie wollen eine Haltungsänderung der Kirche und ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wieso?
Ich spüre, dass die bisherige Form, wie wir Kirche sind, häufig nicht mehr trägt und brüchig wird. Dabei haben wir doch diese wahnsinnig starke Botschaft. Eine Botschaft, die mich ganz persönlich auch dann trägt, wenn es mal ungemütlich oder schwierig wird in der verfassten Kirche. Und daraus nehme ich die Motivation zu überlegen, was wir ändern müssen, damit wir unserem Auftrag treu bleiben können. Es geht entscheidend darum, nach außen zu zeigen, warum wir uns engagieren. Die Haltung: „Das haben wir immer schon so gemacht“ eröffnet keinen kreativen Raum, in dem Neues entstehen kann.

Innovation klingt immer gut. Wohin wird die Reise gehen, wenn sie nach Ihnen geht?
Das Erste wird sein, dass es nicht nach mir gehen wird. Hier fängt eine Haltungsänderung an, die ich und viele Kolleg:innen im Bistum gerade einüben. Vielmehr fragen wir: Was wollen die Menschen, mit denen wir in Kontakt sind, das Kirche ihnen tut? Konkret heißt das in der Villa, dass ich frage: Was brauchen die Gründer:innen (Soziale Entrepreneure), die die Welt besser machen wollen, von uns als Kirche, damit deren Idee fruchtbar wird und gelingt? Hier können wir in der Villa viel von den Co-Worker:innen lernen. Und wie kommen wir dazu, diese Frage zu stellen? Na, unser Gründer hat es auch schon so gemacht (Markus 10,51 oder Lukas 18,41).

Interview: Ruth Lehnen