11.10.2017

Ziel: Elisabeths Hochzeitskirche

Sie stehen für Schrift und Tat – Martin Luther und Elisabeth von Thüringen. Beide kreuzen immer wieder den Weg der Pilger auf der vierten und letzten
Etappe der ökumenischen Christuswallfahrt von der Wartburg nach Eisenach.
Von Hans-Joachim Stoehr

Die Pilgergruppe unterhalb der Wartburg
Startpunkt des Pilgerwegs war unterhalb der Wartburg I Foto: Hans-Joachim Stoehr

Startpunkt ist der Vorplatz der Zugbrücke zur Wartburg. Dort setzen sich die Pilger in Bewegung. Unter ihnen sind die Bischöfe Heinz Josef Algermissen und sein evangelischer Amtsbruder Martin Hein (Kassel).

Auf Fußwegen folgen sie einem Pfad, den auch die heilige Elisabeth bereits beschritt. Unterhalb der Burg auf einer Lichtung befand sich das erste Hospital, das die heilige Landgräfin errichtete. Hier bildet die Gruppe einen Kreis. Diakon Stefan Wick, Ökumenereferent des Bistums Fulda und Mitorganisator der Wallfahrt, trägt die Lesung aus dem zweiten Korintherbrief vor. Die Stille wird unterbrochen vom Ruf eines Esels an der nahe gelegenen Eselsstation.

Auf dem Lutherpfad hinunter in die Stadt

Die etwa 50 Christen umfassende Pilgergruppe folgt einem einfachen Kreuz aus Birkenholz. Sie geht auf dem so genannten Lutherpfad durch den Wald zwischen Burg und Stadt. Auf der Wartburg hat Luther das Neue Testament aus dem Griechischen ins Deutsche übersetzt und es damit den Gläubigen, die lesen konnte, zugänglich gemacht. Kreuzträger unterwegs sind zunächst Gotthard Mattern und dann Martin Schultheis. Er engagiert sich unter anderem im Katholikenrat für die Ökumene (siehe auch „Zur Sache“). Am Wegesrand sind Tafeln angebracht zum Wirken des Reformators. Als die Christen verschiedener Konfessionen die ersten Häuser von Eisenach erreichen, halten sie inne für eine kurze Andacht.

In die Pilgerschar aus dem Bistum Fulda und der Evangelischen Kirche von Kurhessen–Waldeck reihen sich Manuela Kaul und zwei weitere Frauen aus der katholischen Pfarrei St. Elisabeth in Eisenach ein. Sie haben sich kurzfristig zum Mitgehen entschlossen. „Wir sind hier eine kleine Diasporagemeinde. Das ökumenische Miteinander ist gut. Es gibt eine ökumenische Singgruppe, St. Martin wird gemeinsam gefeiert“, erzählt Kaul.

Dankbar für Akzente der Ökumene im Lutherjahr

Der Eisenacherin ist diese Verbundenheit zwischen den Konfessionen wichtig, deshalb geht sie bei dieser Wallfahrt auch mit. Dankbar erinnert sie sich an den ökumenischen Gottesdienst zum Lutherjahr. „Da war auch die ganze Stadt mit eingebunden.“ Aber Kaul verhehlt nicht, dass es auch noch „Baustellen“ im ökumenischen Miteinander gibt. So sei beispielsweise im evangelischen Luthergymnasium nur die Teilnahme am evangelischen Religionsunterricht möglich. Ein katholischer Religionsunterricht sei nicht vorgesehen.

Durch die Stadt führt der Weg zur katholischen Elisabethkirche. Sie ist dem gleichnamigen Marburger Gotteshaus nachempfunden – allerdings deutlich kleiner. Rechts vom Eingang steht seit 2013 das Elisabethdenkmal des Künstlers Markus Gläser. Die Pilger verweilen dort, bevor sie in das neugotische Gotteshaus zu einer Andacht gehen.

Dechant Stefan Buß (Fulda) verbindet mit der Elisabethkirche Erinnerungen aus seiner Studienzeit. „Wir haben uns hier mit Seminaristen aus Erfurt getroffen. Wir sind extra getrennt nacheinander eingereist. Aber der Pfarrer sagte damals zu uns: ,Die Stasi weiß auch so, dass ihr hier seid.‘ “

Ziel und Schlusspunkt ist die Georgenkirche, die evangelische Hauptkirche von Eisenach. Beim liturgischen Abschluss der Wallfahrt dort wird wieder an die „Wegbegleiter“ Elisabeth und Luther erinnert. Elisabeth heiratete in dieser Kirche Landgraf Ludwig. Und Martin Luther predigte in dem Gotteshaus.

 

MEINUNG

Wirkkraft des Geistes

Hans-Joachim Stoehr
Hans-Joachim Stoehr
Redakteur

Aus Kleinem kann Großes wachsen – siehe das Senfkorn im Gleichnis Jesu. In der Ökumene sind es nicht unbedingt die großen Ereignisse, die zählen, etwa die Konferenzen mit Erklärungen zum kleinsten gemeinsamen Nenner. Es sind oft eher die kleinen Zeichen christlichen Miteinanders im Beten oder Pilgern. Wenn unser Tun im Letzten viel Stückwerk bleibt, brauchen wir Christen nicht zu verzagen. Denn wir glauben konfessionsübergreifend an die Wirkkraft des Geistes Gottes in der Geschichte – auch hier und heute. Das heißt: Wir dürfen unser Mühen und Streben im Letzten in die Hände einer höheren Macht geben. Vorbilder dazu sind die „Ikone der Nächstenliebe“ Elisabeth von Thüringen und der „Wort- und Schriftgewaltige“ Martin Luther.