07.03.2018

Leseraktion zum Thema Beichten: Hier kommen Ihre Antworten

Zwischen Trauma und Traum

 „Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Beichten?“ – So haben wir in unserer Leseraktion gefragt. „Sehr verschieden.“ So könnte man die Antworten zusammenfassen. Erstaunlich: Einige Absenderinnen bitten darum, anonym bleiben zu dürfen. Schade, dass selbst in christlichen Gemeinden die Sorge groß ist, für den eigenen Glauben „diffamiert“ zu werden. Wir bringen die Zuschriften trotzdem. Ausnahmsweise. Weil sie sehr authentisch sind.

Junge Menschen beichten auf freiem Feld Foto: Adobe Stock
Beichten "auf freiem Feld" beim Weltjugendtag 2016 in Krakau. Foto: Adobe Stock

„Aussprechen tut gut“

Beichten ist für mich heute grundsätzlich etwas Gutes und tut gut. Leider war das in meiner Kindheit ganz anders. Als Kind war es ein unschöner Zwang. Und irgendwann bei mir das Aus für die Beichte.

Heute gehe ich immer wieder mal zum Beichten. Gewissenserforschung tut gut, oft sind es weniger Verfehlungen die mir bewusst werden, sondern eher Unterlassungen. Es tut gut, das alles mal auszusprechen und vor Gott zu tragen. Leider macht man auch heute oft noch schlechte Erfahrungen. Priester, die nicht richtig zuhören, sich keine Zeit nehmen oder die Sprache so schlecht beherrschen, dass sie einen gar nicht verstehen können. Das alles habe ich erlebt.
Almuth Niklaus, Mainz-Kostheim
 

„Eine neue Beichtkultur“

Ich bin 74 Jahre alt. Ich sehe die Beichte als Sakrament und als eine Chance, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Ich gehe nicht gerne zu einem bekannten Priester. Deshalb wechsele ich gerne den Ort der Beichte und bevorzuge Beichtgespräche, die mich immer wieder sehr bereichern. Für mich ist die Beichte kein Ritual, sondern eine geistige Begleitung im Glauben, die frei macht.

Ich weiß auch, dass viele Leute aus unterschiedlichen Gründen von der Beichte abgeschreckt sind. Den hohen Wert der Beichte kennen sie nicht mehr. Eine Aufklärung der Gläubigen durch die Geistlichkeit könnte hier Abhilfe schaffen. Wir brauchen eine neue Beichtkultur.
eine Leserin aus dem Rhein-Lahn-Kreis
 


Beichten im Beichstuhl Foto: kna
Gründe für die Krise der Beichte

11 Antwortversuche von Ruth Lehnen
Hier geht's zum Artikel.



„Ein Bruder, kein Chef“

Beichte ist heute fast immer ein wohl überlegter Aufbruch.

Erwartet wird eine geistliche Hilfe oder Bereicherung, Menschlichkeit und Einfühlung. Mit Therapie ist der Priester überfordert. Gesucht wird ein Bruder, kein Chef. Ein gemeinsames Suchen zur Hilfe und kein fertiges Konzept und keine Phrasen.

Wir meinen, zum Beichtvater bedürfe es einer intensiven Ausbildung. Mit Sicherheit braucht er auch Erfahrung in der Spiritualität. Zuhören können und verhaltene Emotionalität. Das ist nicht theoretisch erlernbar.

Nachdem wir das besprochen hatten, erkannte jede die Notwendigkeit des Gebets für die Priester.
aus dem Protokoll einer Frauengruppe (zwischen 77 und 85 Lebensjahren)

 

„Warum braucht die Kirche eine Instanz zwischen Gott und dem Sünder?“

Mein erstes Beichterlebnis: Ich reiche dem Priester meinen Beichtzettel in den Beichtstuhl. Auf diesem Zettel habe ich den Beichtspiegel sorgfältig abgearbeitet und zu jedem Gebot Sünden gefunden. Nach dieser ersten Beichte fühle ich mich ganz rein und gehe früher als sonst schlafen, damit ich nicht doch noch vor der Ersten Heiligen Kommunion eine Sünde begehe.

Danach ging ich regelmäßig zur Beichte, fühlte mich – wenn auch nur kurzfristig – von Sünden frei und hatte gute Vorsätze. Die Sünden blieben leider mehr oder weniger dieselben. Die Buße auch: drei Gegrüßet-seist-du-Maria.
Je älter ich wurde, umso mehr enttäuschte mich der ewig gleiche Ritus, dieselbe Buße. Der im Beichtstuhl verborgene Priester (Das Wort Beicht„vater“ empfand ich immer mehr deplatziert.) vermittelte den Eindruck, als sei er von meinen wenig beeindruckenden Sünden enttäuscht. Damals war ich noch zu sehr katholisch sozialisiert und hätte es nicht gewagt, einen Priester im Beichtstuhl herauszufordern.

Später entschied ich mich, nicht mehr zu beichten und empfand das als echte Erlösung.

Würde ich eine Beichte als sinnvoll ansehen, möchte ich mich schon gerne Auge in Auge ohne Gitterstäbe mit der anderen Seite auseinandersetzen können. Warum braucht die Kirche eine Zwischeninstanz zwischen Gott und dem „Sünder“? Welche Rolle spielt dabei die Sozialkontrolle?

Ich habe die Beichte als sich immer weiter entleerendes Ritual erlebt und als eines der Kirchengebote, die der Mündigkeit der Mitglieder entgegenstehen.

Ich kann mir unter der geistlichen Begleitung (in regelmäßigen Beichtterminen?) nicht viel vorstellen. Jedes Gespräch, auch im Café, kann geistlich begleiten. Geht es bei der geistlichen Begleitung in der Beichte um Einflussnahme oder geht es um Tipps zum freien Ausprobieren? Probleme, die ich als Frau hätte, möchte ich nicht einem Mann anvertrauen müssen.
Die fehlende Beichte ein Verlust? Für mich nicht! Ohne Beichte ein weniger gelungenes geistiges Leben? Für mich nicht!
Beatrix Albrecht, Limburg

 

Weitere Antworten lesen Sie in der gedruckten Ausgabe Ihrer Kirchenzeitung.